Kobolds Kobalt

08.11.2017

Nur wenige Menschen haben je einen Kobold gesehen und trotzdem kennt man ihn: Da sitzt er, leicht gebückt, meist mit einem Buckel. Schön ist er nicht, aber zum Fürchten sieht er auch nicht aus. Meist ist er uns Menschen gut gesinnt und treibt mit uns seine Späße. Aus seinen Augen spricht der Schalk, aber bösartig ist er fast nie.

In früheren Zeiten hat er den Menschen immer wieder Streiche gespielt. In den alten Kupfer- und Nickelminen ärgerten sich die Arbeiter über das wertlose grau glänzende Erz, das sie zwischen den wertvollen Metallen fanden. Eigentlich erwarteten sie neben Kupfer und Nickel auch Silber zu finden. Ein Schuldiger musste gefunden werden. Sie machten den Kobold dafür verantwortlich. Die Arbeiter waren sich sicher, dass er all das Silber gefressen und nur seine Ausscheidungen – unansehnliches, graues Erz – zurückgelassen hat. Die Menschen nannten das Erz Kobalt.

Kobalt ist kein seltenes Metall, tritt aber kaum als eigenes Erz auf. Es findet sich – wie oben beschrieben – als Beimengung in Kupfer- und Nickelerzen, also ein typisches Kuppelprodukt des Bergbaus.

Diese Tatsache hat gravierende Auswirkung auf die Verfügbarkeit von Kobalt. Wenn – so wie momentan – durch den Bau von Elektroautos und den dazu notwendigen Batterien der Bedarf an Kobalt rasant ansteigt, kann man nicht einfach mehr Kobalt fördern. Es wird nur mehr Kobalt geben, wenn auch der Bedarf an Nickel und Kupfer steigt und auch mehr von diesen Metallen gefördert wird.

So wenig wie man den Kobold zu Gesicht bekommt, so wenig sieht man das Kobalt im täglichen Leben. Durch seine Korrosionsbeständigkeit wird es z. B. für Superlegierungen verwendet. Überall dort, wo im Maschinenbau hoch beanspruchte Teile im Einsatz sind, wird Kobalt eingesetzt:  Zusammen mit Chrom, Wolfram, Nickel, Molybdän, Niob, Tantal oder Titan sorgt es für lange Haltbarkeit, hohe Leistung und geringen Verschleiß. Wir finden Kobalt als Legierungsbestandteil in Gasturbinen, Strahltriebwerken, Industrieöfen, aber auch in Zahnimplantaten, Dauermagneten, Lautsprechern, Gleichstrommotoren oder Kompassen. Und seit einigen Jahren in den Batterien für elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Allein für die Batterieerzeugung werden im Jahr 2017 zirka 41.000 Tonnen Kobalt benötigt werden. Im Jahr 2000 betrug die Weltproduktion an Kobalt nur 32.000 Tonnen. Und der Bedarf wird steigen.

Man schätzt, dass 65% der Weltvorräte an Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo lagern. Aufgrund permanenter militärischer Konflikte gibt es dort keinen organisierten industriellen Abbau. Stattdessen gibt es in diesem Gebiet bis zu 2.000 kleine Minen für den Abbau von Mineralien (nicht nur Kobalt), die von Soldaten kontrolliert werden. Mit dieser Art des Abbaus gehen jede Menge Menschenrechtsverletzungen einher. Daher fällt Kobalt unter die sogenannten „Konfliktmetalle“ (siehe auch: Transparenz bedeutet weniger Leid ), deren Herkunft höchst fragwürdig ist.

Als Kobolde vor langer, langer Zeit das Kobalt ausschieden, hatten sie wohl keine Ahnung, dass später damit Autos betrieben werden und dass ihre Hinterlassenschaft so wertvoll sein wird, dass dafür Kriege geführt werden.