Stahl: China wird zum Paulus

25.06.2018

Die Hochhäuser verschwinden hinter dichtem Smog und die Menschen mit ihren Atemmasken sind nur schemenhaft zu erkennen. Großstädte, die in einen braunen Schleier gehüllt sind – das sind die Bilder die wir aus China kennen.

 

 

Aber nicht mehr lange. Die chinesische Regierung hat ehrgeizige Umweltziele definiert und setzt alles daran, diese zu erreichen. Strafen für Umweltsünder sind drakonisch. Daher sind die mit Braunkohle betriebenen Stahlwerke zum Handeln gezwungen: Manche haben auf Lichtbogenöfen umgestellt, die ausschließlich mit Strom betrieben werden – Strom, der allerdings oft noch aus dem mit Braunkohle betriebenen kalorischen Kraftwerk kommt. Andere ersetzen Erze zunehmend durch Schrotte, was eine Energieeinsparung von bis zu 75 % bringt.

Aber auch strukturelle Veränderungen sind zu bemerken. Chinesische Stahlwerke haben 2017 Rekordgewinne geschrieben. Nun verwenden sie dieses Geld, um Anlagen zum Shreddern von Autos  und zum Zerkleinern von Schrotten zu bauen.

Im Normalfall ist es Aufgabe der Schrotthändler, die Schrotte für die Stahlwerke „mundgerecht“ aufzubereiten: sortenrein, auf kleine Stücke geschnitten und frei von Verunreinigungen. Nicht so in China. Dort übernehmen diese Aufgabe die Stahlwerke selbst um Geld zu sparen und sich die Versorgung mit Schrott zu sichern.

2017 hat China bereits 200 Millionen Tonnen Stahlschrotte rezykliert, das sind um 67 Prozent mehr als im Jahr davor. Und jedes Jahr werden es mehr werden.

Denn nach den Jahrzehnten des ungebremsten Rohstoffhungers und des ungebremsten Wachstums erreichen Wirtschaftsgüter, Gebäude und Infrastruktur ihr Lebensende.

Und jetzt erst können die darin enthaltenen Rohstoffe als Sekundärrohstoffe rückgewonnen werden. Echtes Urban Mining also.