Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

25.09.2011

Der Schweizer Goldschmied schüttelte ungläubig den Kopf als er versuchte ein Stück von einem Goldbarren abzusägen: bereits das zweite Sägeblatt war einfach in der Mitte auseinander gebrochen. Das kann doch nicht das weiche, formbare Metall sein, dessen Echtheit selbst der Cowboy mit seinen Zähnen auf Weichheit testet? Und noch etwas stimmte nicht: an der Schnittstelle schimmerte etwas matt und dunkelgrau.
Der Schmuckerzeuger reklamierte den Goldbarren bei der Schweizer Bank, wo er ihn erworben hatte. Was war passiert? Eine Gruppe von Fälschern hat Barren aus Wolfram, dessen spezifisches Gewicht genau dem von Gold entspricht, mit einer dünnen Goldschicht überzogen, die Echtheitszeichen angebracht und als Goldbarren an die Bank verkauft. 
Diese tauschte den Goldbarren selbstverständlich anstandslos gegen einen echten aus – und schwieg. Die Bank hatte im wahrsten Sinn des Wortes erkannt, dass Schweigen Gold ist.

Warum ist Gold eigentlich mehr wert als Silber?

Beide fallen in die Gruppe der sogenannten Edelmetalle. Im Gegensatz zum Beispiel zu Eisen, das beim Kontakt mit Luft rostet oder zu Kupfer, das durch Oxidation seine typische grüne Patina entwickelt, verändern Edelmetalle ihr Aussehen nicht. Unsere Ahnen empfanden diese Eigenschaft, die Korrosionsbeständigkeit, als wertvoll und edel und erfanden daher für diese Metalle den Überbegriff Edelmetalle.
Beide kommen in der Natur nicht nur als Erz, sondern auch in gediegener Form vor. Daher waren Gold und Silber auch die ersten Metalle, die der Mensch bearbeitete. Sie mussten nicht erst mühsam aus Erz gewonnen werden.

Ganzen Heerscharen von Abenteurern und Glücksrittern hat, vor allem das Gold den Kopf verdreht. Sie alle träumten davon, dass sie einen großen Klumpen Gold – einen Nugget – finden und damit für den Rest ihres Lebens aller finanziellen Sorgen enthoben wären. Aber ganz so einfach ist das nicht: würde man die Kofferräume von 1500 PKWs mit Erde füllen, man fände lediglich ein Gramm Gold. Silber kommt häufiger vor, da würden schon 70 Kofferräume voll Erde für ein Gramm Silber ausreichen.

Im Mittelalter war im tirolerischen Schwaz die größte Silbermine der Welt beheimatet. Mehr als drei Viertel des damaligen Weltverbrauchs an Silber wurden dort im österreichischen Inntal gefördert. Mit der Entdeckung Südamerikas verlor der Silberbergbau in Österreich an Bedeutung. Die Silbervorkommen auf dem neu entdeckten Erdteil waren gewaltig. Das Land Argentinien wurde nach dem lateinischen „argentum“ für Silber benannt.
Bereits im sechsten Jahrhundert vor Christus bezahlten die Bewohner Kleinasiens ihre Einkäufe mit Gold- und Silbermünzen. Sie wurden eingeführt um den Tauschhandel zu vereinfachen: Münzen aus Gold waren leichter zu handhaben als Goldstaub. Ursprünglich entsprach der Wert der Münze auch dem Metallwert.
Frisch geprägte Münzen besaßen ein festgelegtes Gewicht. Findige Köpfe feilten einfach etwas vom Rand ab und kamen so in den Besitz von Gold- und Silberstaub. So wurden die Münzen immer kleiner und weniger wert. Die nächste Generation an Münzen wurde mit einer Randriffelung versehen. So konnte man sofort erkennen, ob jemand an der gefeilt hat. Unsere Münzen haben heute noch unterschiedliche Randriffelungen.

Eine österreichische Silbermünze landete einen echten Welthit: 1753 zum ersten Mal in Umlauf gebracht, 330 Million Mal geprägt, in Äthiopien, Indien und der ganzen islamischen Welt bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Zahlungsmittel in Verwendung ist der Maria-Theresien-Taler auch heute noch ein begehrtes Sammlerstück.

Die schönste Form Edelmetall zu verarbeiten, ist es wohl, Schmuck herzustellen. Das gediegene Vorkommen, der niedrige Schmelzpunkt und die relativ leichte Bearbeitbarkeit luden Menschen fast aller Kulturen ein Schmuck herzustellen, manchmal sogar für Pferde. Ging ein Stück kaputt, kam es aus der Mode oder gefiel es dem Träger nicht mehr, so konnte er es einschmelzen und eine Münze, einen Barren oder ein anderes Stück Schmuck daraus machen. Wer weiß, welch spannende Geschichte das Gold Ihres Ringes uns erzählen könnte!