Ferry erklärt die Welt des Altmetalls: Blei

Hallo, ich bin der Ferry, eine der vielen fleißigen AmEisen bei Altmetalle Kranner. Weil ich so gerne Geschichten erzähle, werde ich Euch heute durch die Welt des Bleies führen, genauer gesagt: durch die Welt der Bleischrotte, des Altbleies und des Recycelns von Blei. Also, kommt mit auf diesen spannenden Blei-Roadtrip.

 

 

Ok, ok, ok: Blei hat schon bessere Zeiten erlebt. Auch wenn Blei aus der Mode geraten ist, so lohnt es sich, dieses Metall genauer anzusehen.

Wenn mich jemand gefragt hätte – bevor ich bei Altmetalle Kranner „anheuerte“ –, wo heutzutage noch Blei eingesetzt wird, dann wären mir nur Autobatterien eingefallen. Eigentlich sind es ja keine Batterien, sondern Bleiakkumulatoren. Und so Unrecht habe ich damit gar nicht. Denn weit über die Hälfte des heute verarbeiteten Bleies wird für die Erzeugung von Bleiakkumulatoren verwendet.

Modernstes Recyclingwerk in Bleiberg

Und was mich als engagierten Recycler sehr freut: Fast 100% aller Bleiakkus – zumindest in Europa – werden wiederverwertet. Und zwar nicht nur das Blei, sondern auch die Säure und der Kunststoff. Eines der modernsten Recyclingwerke dazu steht bei uns in Österreich, in Kärnten. Und wie könnte es anders sein: in Bleiberg! Das find’ ich spannend und das ist auch gar kein Zufall. Über 650 Jahre lang wurden in der Umgebung von Bleiberg Blei und Zink abgebaut. Erst 1993 war es dann Schluss mit dem Bergbau.

Manchmal besuchen uns pensionierte Mitarbeiter von Altmetalle Kranner am Schrottplatz und erzählen von der sogenannten „guten alten Zeit“. Damals hat man die Bleiakkumulatoren einfach mit einem Vorschlaghammer händisch zerschlagen. Die Säure versickerte im Boden und den Kunststoff hat man mehr oder weniger fachgerecht entsorgt.

Nur das sogenannte Akku-Blei wurde wiederverwertet. Das war damals Stand der Technik und ist noch keine 30 Jahre her. Heute werden Blei, Kunststoff und Säure im Kreislauf geführt. Wenn ich das höre, schlägt mein AmEisen-Herz höher.

 

Metall am Klang erkennen

Wenn heute jemand bei Altmetalle Kranner Akku-Blei verkaufen will, dann bekommt er für das Kilogramm reinen Akku-Bleies genauso viel bezahlt wie für das Kilogramm unbeschädigter Bleiakkus. So versuchen wir, eine unsachgemäße Entsorgung zu verhindern. „Umweltschutz regelt sich übers Geld“, sagt mein Chef immer. Und Recht hat er. Bleiakkus kann man ganz leicht erkennen. Sie sind mit dem chemischen Symbol für Blei Pb gekennzeichnet. Pb steht für das lateinische Wort: Plumbum.

 

Und wisst Ihr, was mich wirklich mega erstaunt? Man kann Blei hören!! Lässt man ein Stück zu Boden fallen, dann gibt es einen dumpfen Ton: klingt wie plumbum. Ich war beeindruckt, als meine Kollegen mir das zeigten. Metall kann man also am Klang erkennen!

Vielleicht ist das Blei gar nicht so unmodern, es ist mir einfach nur nicht bewusst, wo es überall gebraucht wird. Da fällt mir gerade ein, als ich neulich beim Zahnarzt zur Kontrolle war, um meine kräftigen AmEisen-Zähne zu röntgen, hing mir die Assistentin eine schwere Bleischürze um. Die war so schwer, dass sie mich fast in die Knie gezwungen hat. Auf alle Fälle schützte sie mich gut vor der Röntgenstrahlung.

 

Leicht verformbares Plumbum

Und an noch etwas aus meiner Kindheit kann ich mich erinnern: Damals hatten wir ein Stück dickes Bleiblech. Es diente als Grabstein für unsere toten Insekten. Wir hatten nur ein Stück Bleiblech zur Verfügung und dieses eine wanderte von einem Grab zum nächsten. Nachdem das Material so weich ist, konnten wir den Namen und das Sterbedatum immer wieder „ausradieren“ und die neuen Daten einritzen.

Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass ich später auf einem Schrottplatz arbeiten würde. Trotzdem begriff ich auf spielerische Art und Weise, dass Blei ein leicht verformbares Metall ist. Und das wiederum hängt mit seinem niedrigen Schmelzpunkt zusammen, der bei 320° Celsius liegt.

Apropos niederer Schmelzpunkt: Den nützt man auch beim alten Silvesterbrauch des Bleigießens. Dabei erhitzt man ein Stück Blei auf einem Löffel über einer Kerze. Wenn das Blei flüssig ist – und das passiert nach kurzer Zeit – gießt man die Masse in kaltes Wasser. Sofort erstarrt das Blei und lässt eine Figur entstehen. Sie soll einiges über das neue Jahr voraussagen. Na ja, wer’s glaubt…

Viel spannender finde ich allerdings, was ich vom Bleigießen für den gesamten Bereich des Altmetall-Recyclings mitnehme: Verschiedene Metalle haben unterschiedliche Schmelzpunkte. Und so kann ich auch Metalllegierungen wieder trennen – vereinfacht erklärt.

Blei zu Grabe tragen

Doch zurück zum Blei und unserem Re-Use Grabstein: Wenn wir von unserem Insektenfriedhof zurück in unseren AmEisen-Bau kamen, dann schickten uns unsere Eltern sofort zum Händewaschen. Denn Blei kann giftig sein. Deswegen wurden beispielsweise Wasserleitungsrohre aus Blei durch Kupfer oder Kunststoff ersetzt.

Das war der Anfang eines EU-weiten Bleiverbots. Das Metall wurde als gesundheitsgefährdend eingestuft und verschwand allmählich aus vielen Lebensbereichen.

So zum Beispiel auch bei Fahrzeugen: Lange Zeit wurden Autoreifen mit Wuchtblei gewuchtet. Im Altmetall-Handel gab es sogar die eigene Sorte: Wuchtblei, die getrennt gesammelt, verkauft und eingeschmolzen wurde. Heute gibt es Wuchtgewichte aus Eisen, Zink und auch noch ein paar alte aus Blei.

Für den Verkauf bedeutet es viel weniger Geld, weil nun mehrere Sorten vermischt sind und ein händisches Sortieren zu teuer wäre.

Uns AmEisen ist ja gar nicht klar, wo überall Blei gebraucht wird: fürs Lötzinn beim Spengler, im Rotguss, teilweise im Messing, im Lagermetall, im Letternblei  …. .

Wir Altmetaller sagen dazu, Blei ist ein Legierungsbestandteil. Klingt schon wieder nach der Kranner’schen Altmetall-Akademie und nach altklugen AmEisen. So ist es aber nicht gemeint. Aber wenn Du einmal in die Welt des Altmetalls und in die Welt des Bleies hineingeschnuppert hast, dann möchtest Du einfach immer mehr darüber wissen.

Verdienter Schluck aus dem Bleikristall

So und jetzt hab’ ich mir vor lauter Erzählen eine Pause verdient und werde mir einen Drink gönnen: aus einem Glas aus Bleikristall. Das ist zwar momentan unmodisch, aber das bin ich meinem Job als „Altmetall-Sortierer“ schuldig. Was ich von meiner Tätigkeit weiß: Im Bleikristall stecken tatsächlich bis zu 20% Blei drinnen. Warum das Glas immer noch durchsichtig und nicht bleigrau ist, weiß ich allerdings nicht.

Ich werde gut auf mein Bleikristallglas aufpassen. Auch wenn ich es nicht als Altmetall verkaufen und Bleikristall nicht recycelt werden kann: Schön ist es trotzdem. Na dann, Prost!


Für alle, die so wie ich einfach immer noch mehr wissen wollen, hier meine persönliche Link-Sammlung:

 

 

  • Ein fast unerschöpfliche Quelle für Informationen über Blei ist die Website der international lead associazion Link
  • Viele nützliche Informationen finden sich auf der Webseite der International Lead & Zinc Study Group Link