Ferry erklärt die Welt des Altmetalls: Eisen

Hallo, ich bin der Ferry, eine der vielen fleißigen AmEisen am Schrottplatz von Altmetalle Kranner. Meine Leidenschaft, Geschichten über das Altmetall zu erzählen, ist hinlänglich bekannt. Ich lade Euch ein, mir in die Welt von Eisen und Stahl zu folgen. Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wo Eisen vorkommt? Oder wie daraus Stahl oder Edelstahl wird? Wo Eisen und Stahl Verwendung finden und wie gut das Recyceln der beiden funktioniert?

„Alte Liebe rostet nicht“. Ihr kennt sicher alle dieses Sprichwort. Wenn wieder einmal irgendwo ein vergessener Gartenschuppen geräumt wird und die vielen alten, rostigen Schaufeln, Rechen oder Kübel bei uns am Schrottplatz von Altmetalle Kranner angeliefert werden, dann muss ich immer an meine alte Liebe aus der Volksschule denken. Sie war eine von den Wald-AmEisen mit kupferrotem Haar, stahlblauen Augen und einem eisernen Willen. Irgendwie scheine ich immer schon eine Schwäche für Metalle gehabt zu haben. Kein Wunder, dass ich ein Metallsortierer am Schrottplatz wurde.

AmEisen-Frauen wirken wie ein Magnet

Aber zurück zu Julia, meiner Volksschul-AmEisen-Liebe. Sie wirkte wie ein Magnet auf mich. Wahrscheinlich, weil mein Name aus dem Lateinischen kommt: Ferrum bedeutet Eisen und Ferry, mein Spitzname, steht für den „Eisernen“. Und Eisen ist nun einmal magnetisch. Wie Eisen werde auch ich magnetisch von AmEisen-Frauen angezogen. Gibt ja nicht viele in meinem Beruf.

Genug der Gefühlsduselei und zurück zur Arbeit. Gleich am ersten Tag bekam ich einen Magneten in die Hand gedrückt. „Der Magnet ist das wichtigste Werkzeug des Altmetallhändlers“, belehrte mich der Vorarbeiter. „Bleibt der Magnet am Metall haften, (5) dann ist es Eisen. Fällt er runter, dann ist es Buntmetall“, so lautete sein zweiter Satz. „Buntmetalle sind mehr wert als Eisen“, war sein dritter und letzter Satz an diesem Tag. Mit dem Wissen kannst Du zwar noch nicht Altmetalle sortieren, aber es sind klare Ansagen, die ich mein ganzes AmEisen-Leben nicht mehr vergesse.

Es dauerte nicht lange bis ich merkte, dass nicht jedes Eisen rostig ist. Also ging ich zum Standortleiter, der mindestens so gern über Altmetalle, Schrotte, Legierungen und Recyceln spricht wie ich, und fragte ihn, warum das denn so sei. Gott sei Dank war es Winter, es lag Schnee und es gab daher weniger zu tun und so kam ich in den Genuss einer ausführlichen Lektion in Sachen Eisen und Stahl.


Eisen + Kohlenstoff = Stahl

Reines Eisen rostet und ist eigentlich recht weich. Eisen zu schmieden – wie das Schwert bei „Conan der Barbar“ – war früher die einzige Möglichkeit, es härter zu machen. Vor zirka 180 Jahren erkannte man, dass Eisen durch Zugabe von Kohlenstoff ganz andere Eigenschaften bekommt und damit war der Stahl geboren. Stahl ist um ein Vielfaches härter als reines Eisen und erst jetzt war es möglich, Stahl als Baumaterial zu verwenden.
Ich bin so froh, dass der Standortleiter so viel weiß und was noch viel wichtiger ist, dass er so einfach und verständlich erklären kann. Da höre ich gerne zu. Also durch die Zugabe von Kohlenstoff hat man einen Makel weggebracht: Eisen ist zu Stahl geworden und ist nun nicht mehr so weich. Aber: Es rostet immer noch.

Die einfachste Art, Stahl vor dem Verrosten zu schützen, ist ein Anstrich. Früher am Land, wo ich aufgewachsen bin, war es üblich, den Gartenzaun alle paar Jahre zu streichen. Echt mühsam kann ich Euch sagen. Natürlich mussten wir AmEisen-Kinder dabei helfen.

 

Auch durch das Verchromen kann Stahl vor dem Verrosten geschützt werden. Nicht billig, aber es glänzt wunderbar. Billiger hingegen ist es, den Stahl zu verzinken. Das wirkt genauso, glänzt nur nicht so elegant.

 


Elegant, aber teuer: rostfreier Stahl

Die eleganteste – leider auch die teuerste – Art Stahl vor dem Rost zu schützen, ist die Veredelung. Dafür mengt man andere Metalle, zum Beispiel Vanadium, Molybdän, Chrom und Nickel, dem einfachen Stahl bei und so wird er zum rostfreien Stahl. Ich kann mir vorstellen, dass all jene, die die unterschiedlichen Arten der Veredelung von Stahl erfunden haben, in ihrer Jugend – so wie ich – Zäune streichen mussten. Rostfreier Stahl: Eine geniale Erfindung, vielleicht aus der Not zum Zaunstreichen „verdammter“ Jugendlicher geboren.

Ich sag Euch ja, der Betriebsleiter ist genauso fasziniert von der Welt der Altmetalle, dem Eisen und dem Stahl. Ich versteh ihn. Dabei ist Altmetalle Kranner auf Buntmetalle spezialisiert. Daher haben wir gar nicht so viele verschiedene Sorten von Alteisen wie klassische Alteisenhändler. Und eigentlich sollten wir gar nicht Alteisen sagen, sondern richtig heißt es: Stahlschrotte.

Alte Liebe rostet nicht

Wisst Ihr, was mich als Teil der AmEisen-Community mit einem großen Herz für Schrotte aller Art sehr stolz macht? Das Recyceln von Eisen und Stahl, das schon seit Jahrtausenden praktiziert wird: Altes Eisen wird wieder neues Eisen Es braucht nicht nur weniger Energie, es schont die Umwelt und führt wichtige Ressourcen im Kreislauf. Wir modernen AmEisen nennen das auch Urban Mining.
Und manchmal, wenn ich so vor dem Eisenhaufen stehe und die rostigen Zäune, Pflüge, Nägel oder Baustähle betrachte, gehen meine Gedanken zurück zu Julia. Was würde passieren, wenn ich sie wiedertreffe? Kann man eine alte Liebe recyceln?


Für alle, die so wie ich einfach immer noch mehr wissen wollen, hier meine persönliche Link-Sammlung:

 

 

  • Aktuelles über den deutschen Stahlschrottmarkt Link
  • Eine fast unerschöpfliche Quelle für Informationen über Recyling bietet das Institute of Scrap Recycling Industries Link