Ferry erklärt die Welt des Altmetalls: Kupfer

Hallo, ich bin der Ferry, eine der vielen fleißigen AmEisen am Schrottplatz bei Altmetalle Kranner. Ich weiß, ich rede gern und viel. So bin ich aber auch der Richtige, um Euch die faszinierende Welt des roten Metalls, die Welt des Kupfers, seiner Legierungen, der Kupferschrotte und des Kupfer-Recyclings zu zeigen.

 

 

„Money makes the world go round“ – wie wir international-ausgerichteten AmEisen sagen. Und das geht nicht ohne Kupfer. Denn in jeder Euro Münze ist Kupfer drinnen, mal weniger, mal mehr. Auch wenn es nicht so aussieht, aber in den kupferfarbenen Cent-Münzen ist der Metall-Anteil am geringsten.

Die Münzen sind nur mit einer dünnen Kupferschicht gegen das Rosten überzogen. Würde man sie wirklich aus reinem Kupfer machen, dann wären sie wohl zu weich und zu teuer. Die 10-, 20- oder 50-Cent Münzen, die haben es aber richtig in sich: Mit ihren 89% Kupfer sind sie ganz gelb im Gesicht!

Kupfer, das rote Metall

Das bringt mich gleich zum nächsten „Wow“-Erlebnis, das ich am Anfang meiner Karriere bei Altmetalle Kranner hatte: In allen gelben Metallen – auch in Gold – steckt Kupfer, das rote Metall. Wir Experten, also ich und meine Kollegen, sprechen da von Legierungen. Je mehr Kupfer drinnen, desto rötlicher: Da gibt es Bronze, Rotguss, Messing, Tombak, Ms63 oder Ms58. Da brauch ich noch ein bisschen Zeit, bis ich das alles unterscheiden kann. Einige meiner erfahrenen Kollegen erkennen den Unterschied mit freiem Auge.

Das beeindruckt mich. Gott sei Dank haben wir die Möglichkeit, mit einem Röntgenfluoreszenzanalysen-Gerät (RFA) den Kupferanteil – und natürlich auch die anderen Metalle – in den Legierungen zu bestimmen.

 

Schon bevor ich bei Altmetalle Kranner zu arbeiten begann, wusste ich: Willst Du Strom, brauchst Du Kupfer. Wo das Kupfer aber überall drinnen ist, merkst Du erst, wenn Du sortierst oder Geräte zerlegst. Klar, wenn Du den Toaster ansteckst, siehst Du das Kabel und weißt, dass das Kupfer enthält. Aber wer denkt schon daran, dass auch in der Wand jede Menge Kupferkabel verlegt sind? Wie sonst kommt der Strom zur Lampe? Und wer macht sich schon Gedanken, wie der Strom überhaupt ins Haus kommt? Natürlich über Starkstromleitungen – mit mächtig viel Kupfer.

Ohne Metalle ist unsere Welt nicht denkbar

Und jetzt darf ich mit meinem Fachwissen ein bisschen angeben: Das Kupfer, das für Stromleitungen verwendet wird, nennt man Elektrokupfer. Darunter fallen:

Wichtig ist nur, dass es ganz sauber ist, dann gibt es dafür auch gutes Geld. Elektrokupfer ist reines Kupfer und besteht zu 99,99% aus dem roten Metall. Damit kann es direkt wieder eingeschmolzen und zu Halbzeugen verarbeitet werden.Genug gefachsimpelt. Ich möcht Euch ja nicht auf die Nerven gehen. Aber je länger ich mit Altmetallen arbeite, desto faszinierender finde ich die Welt der Metalle. Ohne Metalle ist unsere moderne Welt nicht denkbar.

 

Doch nicht nur die moderne Welt braucht Kupfer: Der Mensch kennt Kupfer schon seit fast 9000 Jahren und verwendet es regelmäßig seit etwa 6500 Jahren. Kupfer in Verbindung mit Zinn wird zu Bronze und hat einer ganzen Epoche den Namen gegeben: der Bronzezeit. Sie dauerte in Österreich von ca. 2300 bis 750 vor Christus.

Kupfer ist teuer

Jetzt aber zurück zum Hier und Jetzt. Ich bin noch gar nicht fertig Euch aufzuzeigen, wo überall in alltäglichen Gegenständen Kupfer drinnen ist. Da gibt es natürlich die Wasserleitung aus Kupfer. Man erkennt sie leicht; oft ist sie auch „oberputz“ verlegt. Wenn da noch Messing-, Blei- oder Eisenteile dran sind, mindert das den Preis. Klar: Kupfer ist ein teures Metall und wir können für Eisen nicht den Kupferpreis zahlen.

 

Bei manchen Gegenständen ist so wenig Kupfer drinnen und es sind so viele verschiedene Materialien mitverbaut, dass das rote Metall nur über einen Shredder zurückgewonnen werden kann, wie z. B. bei einer Lichterkette für die Weihnachtsdekoration. Das mindert natürlich den Preis.

Immer wieder bin ich erstaunt, wie wenig ich vor meiner Zeit bei Altmetalle Kranner wusste, wo überall Metall und im speziellen Kupfer verbaut ist. Da gibt es z. B. Wärmetauscher aus Aluminium mit einem Kupferanteil oder auch in der Klimaanlage ist das rote Metall enthalten.

Aber auch ausgeschossene Patronenhülsen – meist aus Messing – sind ein wertvolles Altmetall und fast zu 70% aus Kupfer. Oder Schiffsschrauben aus Bronze enthalten eine Kupfer-Zinn-Legierung, damit sie nicht vom Wasser angegriffen werden.

Und nicht zuletzt die winzigen Füße eines Widerstandes auf der Printplatte sind aus verzinntem Kupfer. Echt cool, oder?

Ohne Kupfer wäre die Welt (fast) verloren

Täglich kommen wir mit Kupfer mehrmals in Berührung: Zum Beispiel wenn wir uns die Hände waschen: Armaturen bestehen aus Messing, einer Kupfer-Zink Legierung, etwa im Verhältnis von 50:50. Die meisten Armaturen werden verchromt. So bleiben sie glänzend und lassen sich besser polieren. Aus Kostengründen werden jetzt schon Armaturen aus Kunststoff oder Zinkal gefertigt und ebenfalls verchromt.

Beim Kunststoff merkt man es am Gewicht, beim Zinkal nur wenn man mit dem Hammer „draufhaut“. Davon rate ich dringend ab, solange die Armatur noch nicht bei uns im Altmetall liegt.

 

Ganz zum Abschluss noch etwas zum Schmunzeln: Das Alchemisten-Symbol für Kupfer ist übrigens dasselbe Zeichen wie jenes für die Frau. Meine Frau sagt immer: Was würdet Ihr Männer ohne uns Frauen machen? Ihr wärt verloren. Und so ist es auch mit dem Kupfer: Ohne Kupfer wäre die Welt vielleicht nicht verloren, aber um vieles ärmer.

 

 

 


Für alle, die so wie ich einfach immer noch mehr wissen wollen, hier meine persönliche Link-Sammlung:

 

 

  • Sehr umfangreiche Broschüre zum Kupfer vom Verband Deutscher Metallhändler (VDM): Link
  • Das deutsche Kupferinstitut bietet jede Menge Möglichkeiten sich im Thema Kupfer zu verlieren: Link
  • Ein Besuch beim weltgrößten Kupferwiederverwerter lohnt sich: Link