Ferry erklärt die Welt des Altmetalls: Nickel und Nirosta

Hallo, ich bin der Ferry, eine der vielen fleißigen AmEisen am Schrottplatz von Altmetalle Kranner. Als begnadeter Erzähler – das kommt nicht von mir, das sagen alle bei Altmetalle Kranner – darf ich Euch die Welt des Nickels und seiner Legierungen, wie zum Beispiel Nirosta, näherbringen. Folgt mir in die Welt des teuren Industriemetalls Nickel, das immer schon recycelt wurde!

 

Es gibt Menschen, die entspannen sich beim Gärtnern, andere beim Erdäpfel schälen und wieder andere beim Laufen. Für mich ist Geschirr abwaschen die pure Entspannung, der Geschirrspüler mein größter Feind – na, so schlimm ist es nicht.

Da steh ich voll entspannt vor dem Abwaschbecken und muss schon wieder ans Altmetall denken. Ich bin mittlerweile wirklich ein Altmetall-Junkie. Ist die Abwasch nun aus Chromstahl oder Nirosta? Natürlich habe ich meinen Ferry-Magneten dabei: Ah, er bleibt nicht haften, also Nirosta. Das könnt Ihr auch probieren.

Nicht rostender Stahl – einfach genial

Warum sagt man eigentlich Nirosta? Und was ist Nirosta? Das habe ich mich gefragt, als ich meine Schrott-AmEisen-Karriere bei Altmetalle Kranner begann. Die Ableitung des Namens ist so einfach, man glaubt es kaum. Es steht für: Nicht rostender stahl – einfach genial!

Und wie macht man ihn? Indem man – sehr vereinfacht – zum Eisen Nickel und Chrom dazugibt. Nickel ist so „stark“, dass 6-10% Nickel reichen, um Nirosta immun gegen Rost zu machen. Das hat natürlich seinen Preis. Nickel ist zirka 10-15 Mal so teuer wie Eisen.

Apropos teuer: Nickel ist auch bei den 1- und 2-Euro-Münzen Bestandteil der Legierung. Reines Nickel ist nämlich magnetisch und das macht man sich bei den Münzen zunutze: so unterscheiden Automaten ob es sich um echte 1- und 2-Euro Münzen handelt oder ob es wertlose Fälschungen in gleicher Größe sind.

 

Zurück zum Abwaschbecken – oder zur Spüle wie man in Deutschland sagt: Egal ob sie aus Nirosta oder Chromstahl ist, für das Recyceln, also für die Wiederverwertung, sollte die Abwasch ganz sauber sein. Armaturen aus Messing oder auch das Holz, das oft zur Verstärkung angebracht wird, stören beim Einschmelzen und mindern die Qualität sowie den Preis.

Ich hätte mir nie gedacht, dass ich Euch beim Abwaschen Begriffe wie Chromstahl, Nirosta, Edelstahl, rostfreier Stahl, veredelter Stahl, Neusilber, Eisenguss und was es da noch an Fachausdrücken gibt erklären könnte. Es ist geradezu so, als hätte ein ganzer Schrottplatz in meiner Abwasch Zuflucht gefunden.

 

Ein silberner Mix: Nickel, Neusilber und Edelstahl

Da sind die Töpfe aus Nirosta neben der Salatschüssel aus Chromstahl; die kleine Stielpfanne aus Nickel hat sich an den Beckenrand geflüchtet; Besteck aus Nirosta ist zum Beckengrund getaucht; das Salatbesteck aus Neusilber schaut keck aus der Schaumkrone hervor und noch im Trockenen wartet die Pfanne aus Edelstahl, damit sie endlich zu den anderen ins Wasser darf.

So ähnlich sieht es in meinem Kopf aus: ein großes Durcheinander an Fachausdrücken. Abwaschen kann ur anstrengend sein.

Wie also bringe ich da etwas Ordnung in den Sauhaufen? Ich habe kein Analysengerät oder den „Stahlschlüssel“(Anm.: Das ist ein Buch mit allen Werkstoffnummern) bei der Hand. Da hilft nur der Magnet. So wie es mir am ersten Arbeitstag beigebracht wurde: Der Magnet ist das wichtigste Werkzeug des Altmetallhändlers.

Alles was magnetisch ist, kommt auf die eine Seite: Chromstahl, reines Nickel und die Pfanne aus Eisenguss. Ok, das schaut schon gut aus.

Der Magnet: wichtigstes Werkzeug des Altmetallhändlers

Nirosta und Neusilber sind nicht magnetisch und kommen auf die andere Seite. Aber was ist was? Das kann ich auch als AmEisen-Sortierprofi nicht wirklich erkennen. Aber es gibt einen einfachen Trick: Nirosta-Bestecke haben sehr oft auf der Rückseite 18/10 oder 18/8 eingeprägt. Das bedeutet, dass das Besteck aus 18% Chrom und 10% oder 8% Nickel besteht. Der Rest ist Eisen.

Schön langsam bekomm ich den Durchblick. So lehrreich kann Abwaschen sein. Gibt man alles  einfach nur in den Geschirrspüler, bemerkt man das gar nicht. Klar, im Gastgewerbe muss es schnell gehen. Dort müssen alle Geräte und Oberflächen aus Niro (zur Info: die Kurzform von Nirosta) sein. Nirosta wird von Laugen und Säuren nicht angegriffen – dank Nickel – und ist leicht zu reinigen.

 

Am Schrottplatz allerdings verursachen Geräte aus Nirosta ganz schön viel Arbeit. Diese müssen, wie wir AmEisen sagen, „ausgearbeitet“ werden. Das heißt, die Geräte werden von allen Schläuchen, Schaltern und Armaturen befreit. Kabel dürfen auch keine dabei sein. Kupfer im Nirosta ist schlicht eine Katastrophe. Oft müssen wir Eisen vom Nirosta runterschneiden. Das geht nur mit Hilfe von speziellen Schneidegeräten, denn Nirosta ist sehr hart. Diese Arbeiten sind teuer und wir machen es nur bei großen Geräten. Alles andere geht in den Shredder, wo in vielen Schritten die einzelnen Metalle zuerst „zerhackt“ und dann getrennt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Stahl ist nicht gleich Stahl

Bevor es nun ans Abtrocknen geht möchte ich doch noch einen Begriff erklären. Der sorgt nämlich immer wieder für Verwirrung: Edelstahl. Sowohl Nirosta als auch Chromstahl sind Edelstähle. Chromstahl ist ein magnetischer Edelstahl, Nirosta ein nicht-magnetischer.  Edelstahl bedeutet daher nur, dass Stahl mit irgendeinem anderen Metall veredelt wurde, um ihm eine besondere Eigenschaft zu geben. Chrom, Mangan, Nickel, Vanadium oder Molybdän sind die häufigsten Legierungsmetalle.

Unglaublich: Das war Metallkunde von der Küche aus. Ich bin tief eingetaucht in die Welt der Metalle und Altmetalle. Dabei habe ich nicht einmal die Wohnung verlassen. Was meine Chefin immer sagt: „Wir sind umgeben von Metallen und merken es gar nicht“.

Während ich  – allerdings nur mit zwei meiner vier Hände – so vor mich hin abwasche und Töpfe aus Edelstahl, Besteck aus Nirosta oder Neusilber sowie meine Salatschüssel aus Chromstahl durch meine Hände wandern, da bin ich über die Leistungen der Menschen schon beeindruckt. Es ist wie beim Kochen: Durch Beigabe von verschiedenen Zutaten verändert man den Geschmack eines Gerichts. Durch Zugabe von verschiedenen anderen Metallen verändert man das Aussehen und die Eigenschaften des Ausgangsmetalls. Es entsteht etwas ganz Neues.

Übrigens: Dass ich nur zwei meiner vier Hände beim Abwaschen verwende, ist meine persönliche Art der Entschleunigung.


Für alle, die so wie ich einfach immer noch mehr wissen wollen, hier meine persönliche Link-Sammlung:

 

 

  • Das Nickel Institute bietet jede Menge Möglichkeiten sich im Thema zu verlieren: Link
  • Die Informationsstelle Edelstahl rostfrei bietet allen Interessierten umfangreichen Lesestoff: Link