Ferry erklärt die Welt des Altmetalls: Sondermetalle

Hallo, ich bin der Ferry, eine der vielen fleißigen AmEisen am Schrottplatz von Altmetalle Kranner. Ich bin der Quassel-Onkel der Firma und dazu auserkoren, Euch die Welt der Metalle und Altmetalle näher zu bringen. Nun möchte ich Euch in die Exoten der Metallwelt entführen: zu den Sondermetallen wie Titan, Molybdän, Kobalt, Neodym, Seltenerdmetalle oder aber Gallium. Da gibt es auch noch Chrom, Quecksilber oder Wolfram und noch viele mehr.

Gleich vorweg: Diese Sondermetalle auch nur ansatzweise zusammenzufassen, könnte ich alleine gar nicht. Tatkräftige Unterstützung kommt durch meine Chefleute. Sie haben zusammen eine fast 100jährige Altmetall-Erfahrung.

Warum Sondermetalle „Sondermetalle“ heißen? Na, weil sie in keine andere Metallkategorie passen. Nicht zu den Eisenmetallen und nicht zu den Nicht-Eisenmetallen (auch Buntmetalle genannt). Und schon gar nicht zu den Edelmetallen. Sie sind sonderbar und selten und die meisten davon habe ich überhaupt noch nie gesehen.

Sondermetalle werden an keiner Börse gehandelt und gefördert werden sie meist nur gemeinsam mit anderen, häufig vorkommenden Metallen.

Soweit die Theorie. Diese musste ich an dieser Stelle einfügen, um einfach ein bisschen Struktur in diesen Haufen an unbekannten Namen zu bringen. Jetzt möchte ich Euch erzählen, wie ich mich als Praktiker so langsam an Titan, Molybdän, Kobalt, Neodym, Seltenerdmetalle, Gallium, Chrom, Quecksilber, Wolfram – und wie sie sonst noch heißen – herangetastet habe.

Quecksilber – das No-go in der EU

Am leichtesten habe ich mir mit Quecksilber getan. Das kannte ich noch vom alten Quecksilber Thermometer. Früher, so erzählt mein Chef, wurde Quecksilber wie ein normales Metall gehandelt. Menschen sammelten es in Glasflaschen und brachten es zum Altmetallhändler. Eine Spezialität von Altmetalle Kranner war es bis in die 1990er Jahre hinein, dieses Quecksilber zu reinigen, damit es als hochwertiges, sauberes Quecksilber wiederverwendet werden konnte. Quecksilber ist jetzt in der EU verboten. Gesehen habe ich es am Schrottplatz noch nie.

Gallium kommt per Amazon

Wisst Ihr, was ich aber bereits gesehen habe? Gallium! Ihr werdet es mir nicht glauben, wo wir es gekauft haben: bei Amazon. Meine Chefs wollten es einfach wissen und haben es aus Neugierde bestellt. Und? Es hat funktioniert! Gallium sieht genauso aus wie Quecksilber. Zu uns auf den Schrottplatz kommt es natürlich nicht. Nur das gekaufte Gallium lagert jetzt bei uns – sorgfältig verpackt – in der Musterkiste. Und neugierige AmEisen und Menschen bekommen das Sondermetall auch gezeigt.

Silbrig glänzendes Titan

Irgendwann – da hatte ich schon ein bisschen Altmetall-Erfahrung gesammelt – wurden silbrig glänzende Teile angeliefert. Mein erster Eindruck brachte mich auf Aluminium. Aber irgendetwas stimmte nicht. Irgendwie sah es doch anders aus und auch das Gewicht passte nicht. Altmetalle anzukaufen, hat einfach viel mit Erfahrung zu tun. Wenn Du tausende Kilo Aluminium händisch sortiert hast, bekommst Du ein Gefühl für das Gewicht. Du nimmst ein vermeintliches Stück Aluminium in die Hand und weißt sofort, da passt was nicht. So war es auch diesmal. Ich ging zum Meister, der meinen Verdacht bestätigte. Er vermutete, dass es Titan sei. Bingo! Und mit dem RFA (Röntgenfluoreszenz-Analysengerät) hatten wir die endgültige Bestätigung.

Neodym – kräftig wie ein Stier

Viel Spaß hatten wir mit Neodym: Dieses kleine, unförmige Stück Metall hat eine Kraft wie ein Stier! Ich meine natürlich, es ist unglaublich stark magnetisch. Wenn ich nicht seine magischen magnetischen Kräfte gesehen hätte, ich würde das Stück Altmetall einfach ins Eisen werfen: keine Chance, es zu erkennen.

 

Hartmetall, das spezielle Wolfram

Was ich mittlerweile ganz gut erkennen kann, ist Hartmetall. Zumindest wenn es in Form von Hartmetallplättchen angeliefert wird (11). Die Gestalt und vor allem das Gewicht sind eindeutige Zeichen. Hartmetall – eine spezielle Verarbeitung von Wolfram – ist sehr teuer. Da verlässt sich niemand nur auf Form und Gewicht. Da wird natürlich mit unserem Analysengerät geprüft. Und nicht zu Unrecht: Bei einem Bohrer kann man aufgrund vom Gewicht und vom Aussehen nicht zwischen dem teuren Hartmetallbohrer aus Wolfram und einem HHS-Bohrer aus gehärtetem Stahl unterscheiden. Das ist jetzt aber schon die hohe Schule des Altmetallhandels, praktisch die Fachhochschule am Schrottplatz. Wahrscheinlich langweile ich Euch damit.

Sorgenkind: Lithium

Es gibt Sondermetalle, mit denen ich nur indirekt in Berührung gekommen bin. Ich habe sie in reiner Form noch nie gesehen, zum Beispiel Lithium. Das ist mein Sorgenkind. Also nicht das reine Lithium, aber die Lithium-Batterien, die sich mittlerweile in vielen elektronischen Geräten befinden. Übersieht man so eine Batterie – zum Beispiel in einer elektrischen Zahnbürste – und diese Zahnbürste wird beim Umladen beschädigt oder schaltet sich versehentlich ein, dann ist Feuer am Dach! Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Lithium-Batterien sind brandgefährlich.

Das bekommen wir bei jeder internen Schulung zu hören. Ehrlich gesagt, manchmal ist mir das schon ein bisschen zu viel. Wir AmEisen können uns das doch merken! Wenn ich dann allerdings wieder höre, dass durch eine schadhafte Lithium-Batterie ein Brand ausgebrochen ist und ein Schaden in die Hunderttausende von Euro geht, dann denk ich mir: lieber ein Mal zu oft als ein Mal zu wenig geschult.

Viele dieser Sondermetalle werden hauptsächlich in Legierungen verwendet, die ich auch nie in reiner Form gesehen habe. Durch die Zugabe von Sondermetallen kann man gewisse, gewünschte Eigenschaften von Metallen erreichen.

Chrom, Kobalt und Molybdän sind solche Metalle. Davon hör ich nur immer und um ehrlich zu sein: Da kenn ich mich gar nicht aus. Meist mischt man sie bei der Stahlerzeugung dazu, um den Stahl härter und weniger anfällig für Korrosion, also gegen aggressive Umwelteinflüsse, zu machen.

Haftender Chromstahl

Chromstahl allerdings erkenne ich sehr wohl. Zwar nicht mit dem freien Auge, aber mit dem Magneten ist es kinderleicht. Sieht aus wie Nirosta, aber der Magnet bleibt haften. Das weiß der Altmetallsortierer nach dem ersten Tag!

Die vielen Sondermetalle und deren viele Anwendungen beeindrucken mich wirklich. Was sind AmEisen und Menschen doch für helle Köpfe. Ich bin von uns beeindruckt. Wir legen beim Erzeugen von Bauten, Geräten und Fahrzeugen einen unheimlichen Ideenreichtum an den Tag. Das bereitet mir auch Sorgen, denn unser Denken hört genau da auf: bei der Erzeugung. Dabei wäre es so wichtig, dass wir auch über das Ende der Produkte hinausdenken und uns darüber genauso viele Gedanken machen, die darin verbauten Rohstoffe wieder zurückzugewinnen. Manchmal bin ich echt verzweifelt: Rohstoffe sind begrenzt! Erkennt das denn niemand?

Doch, es gibt Menschen die das erkennen und da bin ich auch mächtig stolz auf meine Firma Altmetalle Kranner. Seit Jahrtausenden werden Metalle im Kreislauf geführt, seit 1947 sind wir als Altmetalle Kranner Teil dieses Kreislaufes und sind uns bewusst, dass die Stadt ein riesiges Bergwerk ist.

Ganz besonders ans Herz möchte ich Euch unseren Blog legen: Urban Mining www.urbanmining.at. Es ist unser Beitrag, unser Aufruf zu einem bewussten Umgang mit unseren Ressourcen.

 

 


Für alle, die so wie ich einfach immer noch mehr wissen wollen, hier meine persönliche Link-Sammlung:

 

 

  • Der Abschlußbericht des deutschen Umweltbundesamts bietet umfassende Informationen zum Recyclingpotenzial von strategischen Metallen Link