Ferry erklärt die Welt des Altmetalls: Zink

Hallo, ich bin der Ferry, eine der vielen fleißigen AmEisen am Schrottplatz von Altmetalle Kranner. Ich glaube, ich habe meinen Job auch deswegen bekommen, weil ich soooo gerne erzähle, speziell über Altmetalle. Diesmal tauchen wir ein in die Welt des Zinks, seiner Verbindungen mit anderen Metallen, der vielseitigen Anwendungen dieses unscheinbaren Metalls. Und natürlich erzähl ich Euch, wie Zink recycelt wird.

 

Mit Zink hatte ich eines meiner vielen Aha-Erlebnisse am Schrottplatz. Da lag ein Haufen silbrig glänzender Altmetalle auf dem Sortiertisch und über meinem Kopf schwebten nur Fragezeichen. Ich war einem „alten Hasen“, einem erfahrenen Kollegen als Lehrling zugeteilt. Er sah mich ernst an und meinte: „Hier dürfen wir keinen Fehler machen. Wir sortieren jetzt „Zink neu“.

Es dürfen keine Lötstellen dabei sein, keine Nieten, keine Nägel, keine Farbe und kein titanbeschichtetes Zink. Was wir hier sortieren, geht direkt zum Legieren in den Ofen. Die Firma Kranner garantiert, dass es nur reines, neues Zink ist. Dafür sortieren wir es ja auch händisch. Wenn unser Kunde bei der Übernahme nur ein Stück verunreinigtes Zink findet, kommen die ganzen 25 Tonnen Zink zurück und wir müssen alles noch einmal durchsortieren.

Ferrys Karriere startet mit reinem Zink

Na bumm, diese Ansprache verfehlte nicht ihre Wirkung. So viel Verantwortung für den kleinen Ferry, der zwar zur eifrigen AmEisen-Community zählt, aber damals noch am Beginn seiner Karriere am Schrottplatz stand. Nicht genug damit, kam Lektion Nummer 2 vom Meister:

„Was noch viel wichtiger ist, es darf absolut kein anderes Metall dabei sein: kein Nirosta, kein Eisen, kein Alu, kein Blei und kein Nickel. Das macht die ganze Legierung kaputt und das kann richtig teuer werden.“ Noch heute sehe ich den bedeutungsvollen Gesichtsausdruck des Meisters vor mir. Und noch heute spüre ich, wie die schwere Last der Verantwortung sich über meine zarten AmEisen-Schultern legt.

Aber wie um alles in der Welt sollte man in dem Haufen weiß-grauer Metalle wissen, ob es sich wirklich um Zink und nicht um Blei, Aluminium, Nickel, verzinktes Eisen oder Nirosta handelt? Schaut doch alles gleich aus. Hiiiiiilfe!

Es war ganz offensichtlich: Der Meister wollte mich ein bisschen verunsichern. Ich sollte nicht glauben, dass Altmetalle sortieren eine einfache Aufgabe ist, bei der man nicht höllisch aufpassen muss, um keinen Fehler zu machen. Und noch eine Botschaft hat er mir für meine AmEisen-Schrottplatz-Karriere mitgegeben: kein Sortieren ohne das Hirn einschalten und die Konzentration auf „Maximum“ stellen.

Jetzt ist es mir wieder passiert: ich habe zu weit ausgeholt. Eigentlich wollte ich Euch von meinem Aha-Erlebnis beim Zink sortieren erzählen. Der Meister hat mir wohl meine Verzweiflung angesehen, denn er war es dann auch, der mir ein paar einfache Tricks mit auf den Weg gab.

Der Meister plaudert aus dem Nähkästchen

 

„Metalle kann man auch sehr gut am Klang unterscheiden!“ Ich staunte nicht schlecht! Wie bitte? Er nahm ein Stück Zink und ließ es fallen: Es fiel auf den Boden, blieb einfach liegen und erzeugte einen einzigen dumpfen Ton. Das macht nur Zink. Damit kann man es eindeutig identifizieren, wenn man bei der optischen Sortierung unsicher ist.

Dann nahm er ein Stück Aluminium und ließ es auf den Boden fallen. Dieses sprang wie ein überzüchtetes, hypernervöses Rennpferd durch die Gegend und gab fürchterlich hohe, hysterische Töne von sich. Eine geniale Hilfestellung! Ohne jegliches technisches Hilfsmittel war das Metall damit eindeutig zu identifizieren.

 

Zink, der edle Bruder des Eisens

Jetzt hab ich Euch aber genug von meiner Vergangenheit und meinen ersten Schritten als Altmetallsortierer erzählt. Schauen wir uns doch noch ein bisschen das Zink und seine Verwendung an: Zink ist so quasi der edle Bruder des Eisens. Es rostet nicht und ist damit ideal für alles, was sich permanent Wind und Wetter aussetzen muss. Vor allem beim Bauen: Spengler verwenden Zink für Verblendungen bei den Dächern oder für Fensterbänke. Einmal montiert, überdauert es Jahrzehnt um Jahrzehnt ohne zu rosten und vor allem ohne es streichen zu müssen. Teuer in der Anschaffung, billig in der Erhaltung. Das ist einer meiner Leitsprüche, wenn es um intelligenten Einsatz von Rohstoffen geht. Über die Jahre kann es sein, dass das strahlende Zink eine Patina bekommt. Ähnlich wie bei uns AmEisen: Wir bekommen halt Falten als Zeichen unseres Alters. So verliert auch das Zink seinen jugendlichen, strahlenden Glanz und bekommt eine eher stumpfe, graue Oberfläche. Aber – eben wie bei uns AmEisen: zwar gealtert, aber nicht verrostet oder eingerostet.

Apropos rosten: Um etwas vor dem Rosten zu schützen, muss man nicht gleich das ganze Eisenblech durch ein viel teureres Zinkblech ersetzen. Aber kann man denselben rostschützenden Effekt erzielen, wenn man eine dünne Zinkschicht auf das Eisen aufträgt? Das probierte man um das Jahr 1750 und siehe da: Es funktionierte! Seit damals kennt man das verzinkte Eisenblech. Es ist einfach zu erkennen: Erstens bleibt der Magnet haften und zweitens ist die Oberfläche fleckig, als hätte man sie nicht richtig poliert.

 

Zink, das Mauerblümchen unter den Metallen

Fast die Hälfte des jährlichen Zinkverbrauchs auf unserer Erde wird mittlerweile für die Verzinkung benötigt. Und das führt zu Problemen beim Recycling. Es gibt zu wenig reines Eisen und das Zink stört beim Recyceln sehr. Das muss man wieder rausbringen, was noch nicht immer gelingt. Ich sag Euch, eines hatte ich auf dem Altmetallplatz bald kapiert: Recyceln ist eine Wissenschaft!
Für mich ist das Zink so ein bisschen das Mauerblümchen unter den Metallen. Es ist da und wird doch nicht bemerkt. Zink ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Kupferlegierungen: Ohne Zink kein Messing, keine Messingbleche oder Messingstangen oder auch Rotguss.

Denkt Ihr beim Zähneputzen daran, dass die Badezimmer-Armatur aus Messing besteht und unser Mauerblümchen Zink ebenfalls dort präsent ist? Messing ist eine Legierung aus einem ungefähren Anteil von 50% Kupfer und 50% Zink. Das Zink gibt man dazu, um das Kupfer – reines Kupfer ist sehr weich – härter zu machen und natürlich auch, weil Zink billiger ist als Kupfer.

 

Kupfer, die „Grande Dame“ der Buntmetalle

Wenn ich an Messing denke, stelle ich mir Kupfer immer als die „Grande Dame“ der Buntmetalle vor. Etwas übergewichtig mit – natürlich – kupferrotem Haar, professionell, aber zu stark geschminkt, im roten Kostüm und in Schuhen mit hohen Absätzen. Ihre Partnerin, das Mauerblümchen Zink trippelt daneben her: graues Kostüm, flache schwarze Schuhe, Aktentasche, ungeschminkt mit grauem Haar. Ein ungleiches Paar und doch sind sie im Messing gleichberechtigt zu je 50% vertreten!

Ich weiß, diese Vorstellung ist völlig unprofessionell und kindisch für coole AmEisen. Aber irgendwie ist es in meinem Kopf entstanden als ich kapiert hatte, woraus Messing besteht und alle immer nur vom Kupfer reden.
Das ungleiche Paar bleibt im Übrigen auch nach ihrer Zeit als Armatur im wahrsten Sinn des Wortes unzertrennlich. Messing ist im Altmetall eine eigene – wie wir Schrott-AmEisen sagen – Fraktion. Das heißt, es wird getrennt gesammelt und recycelt. Beim Recyceln werden die beiden Metalle nicht getrennt, sondern aus dem Altmetall Messing wird dann wieder das Neumetall Messing. Kupfer und Zink also auf immer vereint.
Wenn ich mir die beiden so anschaue, werde ich – wie mittlerweile schon bekannt – wieder einmal zum Philosophen: Drum prüfe, wer sich ewig bindet.


Für alle, die so wie ich einfach immer noch mehr wissen wollen, hier meine persönliche Link-Sammlung:

 

 

  • Spannende Broschüre übers Zink vom Verband Deutscher Metallhändler (VDM) Link
  • Die Diplomarbeit von Martin Fischer und Manuel Seyrl zum Urban Mining Index mit dem Schwerpunkt Zink Link
  • Eine interessante Quelle für Informationen über Zink ist die Website der Initiative Zink Link