ALUMINIUM: 10-Jahres Hoch

25.04.2018

Der Aluminium-Markt durchlebt gerade eine Krise und gibt sich betont hysterisch.  „Skyrocketing“ sagt man im Englischen zu dem, was vor ein paar Tagen am Markt passierte. Der Preis für Aluminium schoss in die Höhe, auf sein 10-Jahres Hoch. Um dann auch gleich wieder nachzugeben.

Ausgelöst wurde dieser Höhenflug durch US-Sanktionen gegen eine Reihe Putin-naher Oligarchen Anfang April. Grund dafür war das immer rauer werdende Klima zwischen Russland und den USA, unter anderem im Kriegsgebiet Syrien.

Betroffen von diesen Sanktionen war auch der Unternehmer Oleg Deripaska und sein Aluminium-Konzern UC Rusal. Die Kurse von Rusal sanken, der Preis für Aluminium stieg.

Rusal produziert etwa sieben Prozent des weltweit hergestellten Aluminiums, nicht nur in Russland. Rusal ist weltweit an verschiedenen Aluminium erzeugenden Werken beteiligt. Ob die Sanktionen auch für Werke, wo Rusal nur beteiligt ist, gelten ist noch nicht geklärt.

 

Die Welt braucht Aluminium

Die globale Wirtschaft boomt und braucht Aluminium am Bau, im Baunebengewerbe, in der Lebensmittelindustrie, im Fahrzeugbau oder auch für Flugzeuge. Und plötzlich dürfen diese Werke ihr Aluminium nicht mehr bei einem der größten Produzenten von Aluminium kaufen. Klar, dass die Rohstoffeinkäufer bei den Verbrauchern von Aluminium da leicht nervös werden und sich noch schnell am Markt eindecken. Das – unter anderem – treibt den Preis in die Höhe.

Darunter leiden auch viele amerikanische Firmen. Durch die Strafzölle auf Aluminium wird der Import teurer. Die USA können ihren nationalen Bedarf nur zu zirka 80 Prozent aus eigener Produktion decken. Durch die Sanktionen gegen Russland steigt der Preis von Aluminium. Es scheint, als habe sich da jemand durch seinen „Amerika first“-Protektionismus gleich mehrfach selbst ins Knie geschossen. Ein bisschen Schadenfreude sei erlaubt.

Aber auch im Reich von Deribaska herrscht Krisenstimmung. Die riesigen Aluminium-Schmelzöfen kann man nicht einfach mit Knopfdruck ein- und ausschalten. Das sind Prozesse die – sofern überhaupt machbar – Monate dauern. Also muss Rusal weiterproduzieren und das Aluminium auf Lager legen. Gerade jetzt, wo der Preis so schön hoch ist. Und wenn die Sanktionen dann aufgehoben werden, wird der Markt mit zwangsweise zurückgehaltenem Aluminium überschwemmt und die Preise werden stark fallen. Wann das sein wird: Who knows?

 

Wie geht’s weiter?

Uns erinnert die Situation ein wenig an das Ölembargo in den 1970iger Jahren. Damals konnte kein Öl aus dem Iran oder Irak in die USA importiert werden. Doch die USA waren auf diese Importe angewiesen. Ein Rohstoffhändler, Marc Rich, ließ damals seine guten Kontakte in diese Regionen spielen und umschiffte das Embargo elegant, so dass keiner der Beteiligten sein Gesicht verlor. Marc Rich wurde damit reich, sehr reich sogar. Die Welt ist auf der Suche nach einem Marc Rich des Aluminiums.

Aber vielleicht ist das alles gar nicht notwendig. Mittweile hat das US-Schatzamt die Frist für den Handel mit Rusal bis zum 23. Oktober 2018 verlängert. Das kommt quasi dem Aufheben der Sanktionen gleich.