Aluminium geht in die Luft – Flugzeuge

23.05.2014

Auch ein Pinguin könnte fliegen. Wissenschaftler haben errechnet, dass er bei einer Startgeschwindigkeit von zirka 450 Kilometer pro Stunde abheben könnte. Trotz seines Gewichts und trotz der kleinen Flügel.

Und genauso verhält es sich bei den Flugzeugen: Gewicht und Flügelform entscheiden darüber, ob ein Fluggerät abhebt oder nicht – und natürlich ob und wie lange es in der Luft bleibt. Deshalb gibt es auch keine Flugzeuge aus Eisen.

Flugzeugkörper bestehen aus Aluminium, weil Aluminium sehr leicht ist. Bereits 1906 wurde dafür eine eigene Aluminiumlegierung, das sogenannte Dural-Aluminium erfunden. Durch die Zugabe von Lithium sinkt die Dichte der Legierung, es wird leichter. Durch die Zugabe von Kupfer erhöht man die Härte. Heute wird Aluminium teilweise durch die noch leichtere Kohlefaser ersetzt. Bei dem modernsten Großraumflugzeug, dem Airbus A350 beträgt dieser  Anteil bereits über 50%.

Nach 30 bis 35 Jahren, das entspricht 45.000 Starts und Landungen oder 80 Millionen Flugkilometer geht ein Passagierflugzeug normalerweise in Pension.

Bis jetzt gibt es aber noch kein standardisiertes Recycling von Flugzeugen. Die „Pensionisten“ stehen in Flugzeugfriedhöfen,  meist in amerikanischen Wüsten herum und warten darauf, was weiter geschieht.

Dabei sind Flugzeuge wahre Rohstoffbomber. Der Airbus A300 – 1972 erstmals in den Dienst gestellt – ist einer davon. Er wiegt 88 Tonnen, allein die Farbe wiegt eine Tonne. Das restliche Gewicht besteht unter anderem aus 77% Aluminium, 12% Stahl, 4% Titan (Fahrwerke) und 3% Kupfer (hauptsächlich aus der Verkabelung). In einem von der EU-finanzierten Pilotprojekt hat man erstmals so ein Flugzeug systematisch aufgearbeitet: 95% des ausrangierten Flugzeugs sind  entweder wiederverwendbar oder verwertbar.

Die Zukunft beim Flugzeugbau gehört nicht mehr dem reinen Aluminium. Kohlefaser und neue Verbundmaterialien sind auf dem Vormarsch. Beim neuen Airbus A350, der noch in der Entwicklung ist, kommt das Laminat „Glare“ zum Einsatz: eine dünne Schicht Aluminium wechselt sich mit einer Schicht aus glaserverstärktem Kleber ab. Die obere Rumpfschale des Fliegers wird aus Glare sein: Gewichtseinsparung 800 kg.

Außerdem rechnet man damit, dass die neuen Flugzeuge doppelt so lange „arbeiten“ werden. Ein heute geborenes Baby könnte als Siebzigjähriger in einem Flugzeug sitzen, das 2014 in den Dienst gestellt wurde.

Manche Flugzeuge beenden Ihre Karriere allerdings unfreiwillig früher als gewollt.

Einer der schönsten Fotobildbände zu diesem Thema ist „Happy End“. Dietmar Eckell reiste um die Welt und fotografierte  Flugzeugwracks. Das Besondere daran: nur solche, bei deren Abstürzen niemand zu Tode gekommen ist. Die Wracks liegen in so unzugänglichen Gegenden, dass sie noch heute – Jahrzehnte nach den Unfällen – dort liegen.

Die Fotos wurden uns von Dietmar Eckell zur Verfügung gestellt.

 

 

Die Flugzeugkörper aus Aluminium sind eben nicht nur  leicht, sie verrotten auch nicht.

 

Weiterführende Links:

http://www.dietmareckell.com/html/#!/3