Blei – gachtet und geächtet

24.07.2011

Sie parken Ihr Auto. Gerade haben Sie die Bilder vom Radiologen abgeholt: alles in Ordnung. Schnell noch die Einkaufsliste für morgen schreiben, einen Blick in die Zeitung, ein Schluck Wasser – es war ein heißer Tag. Zeit für etwas Erholung: ein Glas Wein und zur Entspannung sehen Sie sich Ihre Urlaubsbilder aus Paris auf dem Laptop an. Und zu guter Letzt drehen Sie den Fernseher an um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Ohne dass sie es merken werden sie dabei vom Blei begleitet.
 60% der heutigen weltweiten Bleiproduktion wird zur Erzeugung von Autobatterien verwendet. In Deutschland werden jedes Jahr zirka 14 Millionen Stück Bleiakkus in den Verkehr gebracht, das entspricht 195.000 Tonnen Blei. Die Recyclingquote beträgt 95%.

Sicher erinnern Sie sich, dass Sie beim Zahnarzt oder Radiologen schon einmal eine schwere Bleischürze umgehängt bekamen. Hier schützt sie das Blei vor radioaktiver Verstrahlung. Die Isotopenstationen in den Krankenhäusern sind meist im Keller untergebracht, oft mit Bleiplatten ausgelegt und die Isotopen aus Sicherheitsgründen in zentimeterdicken Bleibehältern verstaut.

Bevor der Computer in unserem Leben und auch in Druckereien Einzug hielt, mussten jede Zeitung und jedes Buch gesetzt werden. In den Setzkästen – die jetzt mit Miniaturnippes gefüllt in manchem Wohnzimmer hängen – wurden die dazu benötigten Lettern (Buchstaben) aufbewahrt. Diese Lettern bestanden zum Großteil aus Blei und einem Legierungszusatz, wie z.B. Antimon, damit das Blei härter wurde. Daher kommt der Name Lettern- oder Hartblei.

Wegen seiner wichtigsten Eigenschaften wie Korrosionsbeständigkeit, hohe Dichte und einfacher und kostengünstiger Herstellung wurden Bleirohre über Jahrhunderte als Wasserleitungen verwendet. Aufgrund der Giftigkeit möglicher chemischer Verbindungen mit Blei kommen Bleirohe seit den 1970iger Jahren nicht mehr zum Einsatz.

Der Wein schmeckt ihnen besonders gut aus einem edlen Bleikristallglas. Wie wunderbar sich das Licht im Glas bricht! Auch das verdanken wir dem Blei. Bleikristall enthält bis zu 20% Blei. Aber keine Angst: in dieser gebunden Form ist es keinesfalls gesundheitsschädlich.

Und nun erinnern sie sich an Paris. Herrlich die Glasfenster in der Kathedrale Nôtre Dame. Aber ohne Blei könnten auch diese nicht in der Abendsonne in allen Farben des Regenbogens funkeln. Es sind Bleistege, die die einzelnen Segmente verbinden und das Fenster zusammenhalten.

Und auch Ihr Laptop braucht Blei um zu funktionieren: die Bestückung der Platinen erfolgte wahrscheinlich noch mit einem bleihältigen Lötzinn
Sie überlegen sich, dass es Zeit wird Ihren alten Fernseher gegen einen schicken Flachbildschirm auszutauschen. Dieser sieht nicht nur „cool“ aus, sondern ist auch noch viel umweltfreundlicher. Denn die Bildröhre ihres alten Fernsehers kann bis zu zwei Kilogramm Blei enthalten.

Einzig der Bleistift, mit dem sie ihre Einkaufsliste geschrieben haben, enthält kein Blei. Er verdankt seinen Namen einem Irrtum: Mitte des 17. Jahrhunderts traten in Holz gefasste Graphitstäbe als Bleistift ihren Siegeszug von England aus an. Damals hielt man Graphit für Bleierz. Vor über 5000 Jahren sollen die Ägypter allerdings sehr wohl mit einer Art Bleistift geschrieben haben: ein Bambus- oder Papyrusrohr wurde mit Blei ausgegossen.
Blei, seit Jahrtausenden ein vielseitig einsetzbarer Begleiter des Menschen, genießt momentan keinen sehr guten Ruf. Die EU versucht es so weit wie möglich zu verdrängen, da Blei gesundheitsschädlich sein kann.