China als Kupfer-Gourmet

27.02.2019

Bald – sprich ab 1. Juli 2019 – wird sich der Drache nur mehr vom allerfeinsten Kupfer ernähren. Nur noch Kupfer mit weit über 70 % Kupferinhalt wird importiert.

Bereits der Importstopp für Schrott mit geringem Kupferanteil – zum Beispiel Elektromotoren – hat den Schrotthandel verändert und die Preise für diese Fraktionen gesenkt. China hat diese Importrestriktionen lange im Voraus angekündigt, aber nicht lange genug um in Europa neue Verarbeitungskapazitäten aufzubauen.

 

China hat bereits 2018 um knapp 2,5 Millionen Tonnen weniger Kupferschrott importiert als 2017. Hatte die importierte Ware bis 2017 durchschnittlich 42 % Kupferinhalt, so stieg dieser 2018 auf ca. 60 %. Ziel Chinas ist es bis 2020 prinzipiell keine Abfälle unter 99 % Reinheit zu importieren. Das wird die Entsorgungsbranche massiv treffen. Und tut es auch bereits, wie wir in unserem Marktbericht vom Jänner aufzeigten.

 

Welche Auswirkungen hat es für den Schrotthandel?

Die Aufbereitung der Schrotte, die in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten im ehemaligen Billiglohnland China stattfand, wandert zurück nach Europa. Hier stehen die technisch besseren und umweltfreundlicheren – aber auch teureren – Anlagen. Bis sich diese neue Situation konsolidiert haben wird, wird es einige Jahre dauern.

Warum handelt China so?

Die Boomjahre in China sind vorbei. Lohnkosten, Umweltauflagen und Wachstumsraten erreichen langsam, langsam westliches Niveau. Die Produkte aus dieser Aufbauphase erreichen nun ihr Lebensende und stehen für einen Recyclingprozess zur Verfügung. Da die chinesische Regierung langfristig plant – aufgrund der politischen Rahmenbedingungen auch planen kann – werden solche Überlegungen wohl auch Grund für den Importstopp von minderwertigen Sekundärrohstoffen sein.

Es bleibt spannend.