Chrom, glanzvoller Tausendsassa

15.02.2012

Da steht er und strahlt: der blaue BMW 502, Baujahr 1960. Stoßstange, Auspuffrohr, Türgriff, Außenspiegel, Tankdeckel, die Einfassung der Scheinwerfer und die Zierleiste aus Eisen sind verchromt, fein säuberlich poliert und glänzen um die Wette. Durch das Verchromen schützt man die exponierten Autoteile vor Rost und zugleich wirken sie sehr dekorativ. Heute verzichtet man aus Kostengründen auch wegen des Gewichts großteils auf diese Verschönerungen.

Chrom kommt in der Natur nur in Verbindung mit anderen Metallen und Stoffen als Rotbleierz vor. Wird dieses in mehreren komplizierten Verfahren chemisch behandelt erhält man reines Chrom, das man in dieser Form dann erst gar nicht verwenden kann. Es wird als Legierungsbestandteil vor allem zu Nickel, Stahl oder Eisen gemischt um diese härter zu machen.
Bekannt ist der sogenannte Chromstahl: dabei werden dem Stahl 13-20% Chrom zugesetzt. Dieser wird dadurch so hart, dass man ihn sogar als Prägewerkzeug für Münzen verwenden kann.
Als Nebeneffekt verhindert das Chrom das Rosten von Eisen. Damit kann man Chromstahl auch unter anderem für die Herstellung von Spülbecken, Ess- oder Operationsbesteck einsetzen.

Durch den Zusatz von Chrom zu Gold verändert sich dessen Farbe: es wird heller und somit entsteht Weißgold. Chrom lässt sich aber auch in Rubinen und Smaragden nachweisen.

Doch meist denkt man bei Chrom an Metall. Wer aber hätte gedacht, dass auch für die Farbgebung und für die Lederpolsterung des BMWs Chrom unerlässlich ist?

Das Rotbleierz wird auch Krokoit genannt. Dieses setzte man als Pigment zur Farbherstellung ein: das Ergebnis waren leuchtende Farben, unter anderem auch das Chromgelb, das als „Postgelb“ Geschichte geschrieben hat.

Dieser Farbenpracht verdankt das Element auch seinen Namen: chroma bedeutet im Griechischen Farbe.

Zur Zeit als unser Oldtimer BMW vom Fließband ging fotografierte man noch mit analogen Kameras. Kodak brachte damals einen Film unter dem Namen „Kodachrome“ auf den Markt. Natürlich verwies man damit auf den Farbfilm, aber auch für die Filmherstellung wurde im geringen Umfang Chrom eingesetzt.
Gerbt man Leder mit Chromsalzen (Chromgerbung) erhöht sich die Reißfestigkeit des Leders. Darüber hinaus verhindert das Chrom, dass während des Gerbevorgangs Wasser in die Poren der Tierhaut eindringt und das Leder zu schwer wird. Weltweit wird 85% allen Leders so hergestellt.

Und noch einmal überrascht uns das vielseitig einsetzbare Metall. Als Chrom-Kobalt-Molybdän-Legierung mit dem Namen Viktallium tragen es manche von uns sogar in ihrem Körper. Aus Viktallium werden künstliche Gelenke hergestellt. Unser Körper reagiert auf diese spezielle Legierung nämlich nicht allergisch.

Überall dort wo man eine Oberfläche härten und optisch veredeln will wird verchromt. Eine Messingarmatur würde aufgrund ihres Kupferanteils mit der Zeit grünspanig, bekäme braune Flecken und Kratzer und würde an Glanz verlieren.

Verchromt man hingegen die Armatur so kann man sie mit geringem Aufwand wieder aufpolieren und das Badezimmer sieht wieder sauber und elegant aus.

Doch manche übertreiben es aber auch mit dem Verchromen. Für eine Million Euro kann man einen komplett verchromten Bugatti erstehen. Vorher sollte man jedoch abklären, ob man wegen des Glanzes und der Spiegelung dafür überhaupt eine Straßenzulassung bekommt.