Die Stahlsuppe …

02.08.2016

… die uns China eingebrockt hat, kann auch nur China wieder auslöffeln. Leider wird das nicht so schnell gehen wie wir es uns wünschen.

Grillo Kelle für Marktbericht1,621 Milliarden Tonnen Rohstahl wurden 2015 weltweit produziert, fast die Hälfte (49,6 %) davon in China. Die anderen Teile der Welt werden zu Statisten degradiert.  Die USA  erzeugen pro Jahr  in etwa 100 Millionen Tonnen Stahl.

 

Allein die Überproduktion  Chinas beträgt in diesem Jahr 300 Millionen Tonnen. China drosselt zwar die Produktion, wir merken aber nichts davon, denn auch der Eigenverbrauch Chinas sinkt von Jahr zu Jahr. Am Weltmarkt wird mit ungleichen Waffen gekämpft. Chinas Stahlindustrie erhält massive staatliche Unterstützung.

Zu viele Menschen sind davon betroffen: nicht nur in den Stahlwerken, sondern auch in den  dazu vorgelagerten, notwendigen  Kohleminen. Beide sind sehr oft in strukturschwachen Gegenden gelegen. Dort ist die Mine oder das Stahlwerk oft der einzige Arbeitgeber für zehntausende oder gar hundertrausende von Menschen. Kündigungen oder Werksschließungen würden unweigerlich zu sozialen Unruhen führen. Das will man keinesfalls, da ist die Stützung des Stahlpreises bei weitem das geringere Übel.

Ganz neu ist diese Situation nicht, denn auch Europas Stahlindustrie hat Ende der 60iger Jahre eine ähnliche Krise durchgemacht. Diese wurde auch nicht in einem Jahr gelöst, sondern in Jahrzehnten eines großen Strukturwandels. China steht heute  genau dort, wo Europa vor 50 Jahren stand.

„Wie lange werden die Preise für Alteisen noch so niedrig bleiben?“, werden wir oft gefragt. Das möchten wir mit einer Anekdote beantworten.

Vor ein paar Tagen erhielten wir – wie so oft – eine telefonische Anfrage, ob wir um die 1000 Kilogramm Alteisen in Form von Rohren abholen könnten. Wir zeigten dem Anrufer drei Möglichkeiten auf:  Eine Abholung ist möglich, die Transportkosten würden aber den Materialwert übersteigen. Alternativ dazu könnte er die Rohre zerschneiden und zum Schrottplatz bringen. Oder er lässt die Rohre liegen, bis sich die Lage in China wieder normalisiert hat. Seine Antwort darauf: „Das mach ich sicher nicht, das geht sich nicht mehr aus, ich bin nämlich schon 96.“

Wir fürchten er hat Recht, selbst wenn  er 100 Jahre alt wird.