E-Wende: Es fehlen die Rohstoffe

09.11.2017

Ein Autofahrer bewegt sich in München mit durchschnittlich 24 Stundenkilometern durch die Stadt, in Peking nur mit 12 Stundenkilometern. Da nicht die Geduld zu verlieren, schafft man wohl nur mit der sprichwörtlichen asiatischen Gelassenheit.

Weniger gelassen geht die Regierung in China an diese Aufgabenstellung heran. Die Staus kosten nicht nur viel Zeit, sie bedeuten auch extreme Luftverschmutzung. Und so setzt die Regierung in bewährter langfristiger Planwirtschaft Ziele fest, um diesem Problem entgegenzuwirken. Die Zauberformel laut E-Mobilität: In 2020 soll es bereits fünf Millionen Ladestellen geben, 2018 muss jeder Automobilhersteller in China bereits 8% Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen, danach jedes Jahr um zwei Prozent mehr.

China ist der Treiber bei der E-Mobilität, der Rest der Welt zieht mit. 2030 sollen 15% der Neuwagen in der Europäischen Union einen Elektro- oder Hybridantrieb haben. UBS-Bank schätzt, dass 2025 an die 14 Millionen Elektroautos weltweit betrieben werden, der Volkswagenkonzern will bis dahin bereits 80 verschiedene Modelle mit Elektroantrieb auf den Markt gebracht haben.

Und damit verbunden steigt der Verbrauch an bekannten Metallen wie Kupfer- und Nickel, aber auch an weniger gängigen Metallen wie Lithium oder Kobalt. In einem Elektrofahrzeug sind im Vergleich zu einem mit Kraftstoff betriebenen Fahrzeug ca. die vierfache Menge an Kupfer – etwa 80 Kilogramm – verbaut.

Experten rechnen daher mit einer bis zu zehnfachen Nachfragesteigerung, was sehr wahrscheinlich zu höheren Preisen führen wird. Für einen gesteigerten Bedarf stehen dafür prinzipiell weltweit genug Minen mit der dazugehörenden Infrastruktur zur Verfügung.

Ganz anders sieht die Situation bei Lithium aus. Der Preis für Lithium ist im Jahr 2017 bereits um die 30% gestiegen und liegt jetzt bei etwa 14.000 USD pro Tonne. Bis 2025 geht man von einer Vervierfachung des Bedarfs aus. Dafür aber gibt es – im Gegensatz zu Kupfer – eben nicht die nötigen Minen mit den technischen Möglichkeiten, die Produktion zeitnah hochzufahren.

Lithiumvorkommen gibt es auch in Österreich, auf der Koralm, einem Bergrücken zwischen Kärnten und der Steiermark. Die Betreibergesellschaft prüft derzeit die ökonomische und ökologische Machbarkeit. Sollte man sich für einen Abbau entscheiden, könnte mit der Förderung frühestens in zehn Jahren begonnen werden. Und wer weiß, vielleicht gibt es 2018 gerade einen Hype um das mit Wasserstoff betriebene Fahrzeug und kein Mensch benötigt mehr Lithium?

Noch dramatischer ist die Situation bei Kobalt, wo es so gut wie keinen institutionalisierten Abbau gibt. Mehr dazu unter: Kobolds Kobalt).

Es werden bereits die ersten Stimmen laut, dass die Wende zur E-Mobilität aus Rohstoffmangel nicht zu schaffen sein wird. Das bedeutet vorerst einmal, dass es kurzfristig sehr wahrscheinlich zu einem Preisanstieg bei den oben genannten Metallen kommen wird. Und dann? Ja, dann ist alles möglich.

Bildquelle: Alexis Georgeson/Tesla Motors