Edelmetall als Beifahrer – der Katalysator

04.06.2012

Montag, 7.00 Uhr am Parkplatz der KFZ-Werkstätte. Der Meister startet den Mercedes. Brrrrum! Ein lautes Knattern beendet den Schlaf der Nachbarn. Da stimmt doch etwas nicht. Ein Blick unter das Auto bringt Gewissheit: der Kat fehlt! Leider nicht zum ersten Mal.

Autokatalysatoren sind mittlerweile beliebtes Diebesgut. Der Dieb legt sich unter das Auto, sägt den Kat vorne am Flansch ab und durchtrennt im hinteren Teil das Zwischenrohr mit einer Rollkette. Dabei gehen die Diebe sehr sorgfältig vor, da der Kat wertvoller ist, wenn er unbeschädigt ist. Schüttelt man einen Kat und hört kein Geräusch, dann ist er noch intakt. Scheppert  es, dann fehlen Teile, das mindert den Wert.

Was aber macht den Katalysator so wertvoll? Es sind die darin enthaltenen Edelmetalle Platin, Rhodium und Palladium. Und diese Edelmetalle erledigen die Arbeit: sie wandeln die im Autoabgas enthaltenen Verbrennungsschadstoffe in ungiftige Gase um.  Das Herzstück des Kats ist der wabenförmig ausgebildete Keramikmonolith, in den die Edelmetalle eingearbeitet sind. Die Wabenstruktur vergrößert die Oberfläche und verringert somit die Größe des Katalysator.

Erfunden wurde der Katalysator in den 1950er Jahren in Los Angeles. Die Stadt erstickte im Smog und man vermutete den Autoverkehr als Verursacher. Einsetzen  konnte man die neue Erfindung aber noch nicht: das Blei im  Antiklopfmittel zerstörte den Kat.

Es dauerte noch weitere 30 Jahre bis durch die Verwendung von bleifreiem Benzin der Kat (Auto)salonfähig wurde. Das Weglassen des Bleis im Benzin brachte eine zusätzliche Verringerung der Umweltbelastung.

Deutschland war das erste Land Europas, das 1984 die Katalysatoren-Pflicht für neu zugelassene Kraftfahrzeuge erließ. Die Nachbarländer mussten mitziehen, damit sie die deutschen Autofahrer nicht als Wirtschaftsfaktor verloren.

Der erste in Österreich zugelassene PKW mit Katalysator war ein Mazda 626. Seit Juni 2011 ist er im Kraftfahrzeugmuseum Sigmundsherberg ausgestellt.

Da die im Katalysator verwendeten Edelmetalle immer schon sehr teuer waren, haben sich Erzeugung und Recycling von Kats parallel entwickelt. Bei der Wiederverwertung wird der Keramikblock aus der  Metallummantelung gelöst. In einem ersten Schritt wird der Monolith zerkleinert, um dann zu Pulver zermahlen zu werden. Durch Erhitzen des Pulvers gewinnt man die Edelmetalle wieder zurück.

Mit dem Ansteigen der Rohstoffpreise hat sich ein weiterer Geschäftszweig entwickelt: der Nachbau von  Katalysatoren. Diese sind natürlich viel billiger.  Es gibt sie mittlerweile für jede Automarke und für fast  jedes Modell. Gespart wird bei der Verarbeitung: der echte Keramikmonolith wird durch einen minderwertig beschichteten ersetzt, der kaum Edelmetalle enthält. So ein Kat hat oft  nur eine geringe Wirkung und Lebensdauer. Der scheinbar günstige Kauf entpuppt sich manchmal als hinausgeworfenes Geld.

 

Die normale Lebensdauer eines Kats entspricht in etwa der eines Autos.

Mittlerweile gibt es auch Kats für  Dieselmotoren. Der dabei eingesetzte Katalysator ist  etwas anders aufgebaut, funktioniert aber nach dem selben Prinzip der Abgasreinigung.

 

In diesem Sinne – Gute Fahrt!

Weiterführende Links:

www.duerec.at

www.kraftfahrzeugmuseum.at