Euro-Münzen – raffiniert legiert

30.09.2013

Schon probiert? Einen Magneten an die Euro- und Cent-Münzen zu halten? Die Überraschung ist groß: die kupferfarbenen Cent-Münzen werden vom Magneten genommen, die gelben 10-, 20- und 50-Cent Münzen nicht und  die „weißen“ 1€- und 2€-Münzen sind leicht magnetisch. Verkehrte Welt oder nur raffiniert legiert?

Ganz einfach: Cent-Münzen bestehen aus Stahlblech, das mit einer 0,03 mm dicken Schicht aus Kupfer veredelt wurde. Das Kupfer verhindert das Rosten des Stahls.

Und warum bleibt der Magnet nicht an den 10-, 20- oder 50-Cent Münzen kleben? Weil diese aus  89% Kupfer, 5% Aluminium, 5% Zink und 1% Zinn bestehen. Sie glänzen fast so wie Gold und in der Fachsprache nennt man diese Legierung auch „Nordic Gold“.

Die 1€- und 2€-Münzen sind unter den Umlaufmünzen die „hochgezüchteten Rennpferde“. Sie bestehen aus einem Ring und einem Kern, auch Pille genannt. Die Pille setzt sich aus drei Schichten zusammen: Kupfernickel, Nickel und wieder Kupfernickel. Das Nickel macht die Münzen leicht magnetisch. Damit können alle Automaten in Europa erkennen, ob die eingeworfene Münze echt ist oder nicht. Das ist einmalig auf der Welt.

Jedes Land gestaltet seine Münzen selbst. In der Graveurie entwerfen Designer die Oberfläche. Das kann bis zu einem Jahr dauern. Dann wird ein Gipsmodell angefertigt. Dieses wird dann mit digitaler Technologie auf den Prägestempel übertragen. Prägestempel sind hochpräzise Werkzeuge, die einen enormen Druck aushalten müssen. Alle zwei Tage müssen die Prägestempel getauscht werden.

 Sämtliche europäische Münzen werden nach dem selben Verfahren hergestellt: die verschiedenen Metalle, aus dem die Münzen gestanzt werden, werden als Metallbänder an die jeweiligen Prägeanstalten geliefert. Ähnlich wie beim Kekse ausstechen, wird in einem ersten Schritt ein runder Taler, der sogenannte Rohling oder Ronde aus dem Metallband „herausgestochen“. Der Rohling bekommt dann mit dem  Prägestempel sein
Gesicht aufgedruckt. Ganz so, wie wenn man die Kekse verziert.

 

Die Stanzabfälle werden wieder eingeschmolzen und zu neuen Metallbändern für weitere Münzen verarbeitet. Die Legierung passt ja bereits.

 Jahrelang wandern die Münzen quer durch Europa: von Brieftasche zu Ladentisch, von Hand zu Hand, von Einwurfschlitzen von Automaten zum Sparschwein um dann irgendwann wieder als Altmetall eingeschmolzen zu werden.

Heute schon werden 60% des in Europa benötigten  Kupfers durch  Kupferschrotte abgedeckt.  Vielleicht hat die eine oder andere Münze, bevor sie als Euro auf Wanderschaft ging, ganz beschaulich Jahrzehnte als Kupferdach auf einer Kirche zugebracht. Und wer weiß, ob das Kupferrohr, das den Heizkörper in Ihrem Wohnzimmer mit Warmwasser versorgt, nicht irgendwann als Teil einer Euromünze durch die Hände Ihres Enkels gleiten wird. Münzen sind ein Zahlungsmittel, aber auch Rohstoff.

 

In den 1970iger Jahren war für ganz kurze Zeit der Preis für Aluminium sehr stark gestiegen. Damals hätte man für die 2-Groschen-Stücke aus Aluminium als Altmetall mehr bekommen, als wenn man damit Einkaufen gegangen wäre.

Weiterführende Links:

www.muenzeoesterreich.at/

www.muenzehamburg.de/