Gallium – ein Licht geht auf

20.02.2017

Gut sieht er aus, der neue Kasten im Wohnzimmer. Edles dunkles Holz, die Bar dezent versteckt hinter einer breiten Türe.

Der Kasten könnte aus den 1970er Jahren stammen, wäre da nicht diese schicke LED-Leiste, die alle zehn Sekunden die Farbe wechselt.

Gallium Pelletts trans Kopie

 

Es ist das Gallium, genau genommen das Galliumarsenid, das es ermöglicht, elektrische in optische Signale umzuwandeln und den Kasten zum Strahlen zu bringen.

 

Die LED-Technik ist neu, Gallium hingegen kennt man schon seit fast 150 Jahren. Sein Entdecker, der  Franzose Paul Émile Lecoq de Boisbaudran, ist auch  sein Namensgeber: Die einen meinen, er hätte es aus patriotischen Gründen „Gallium“ (nach der lateinischen Bezeichnung für Frankreich) genannt.  Andere meinen, er hätte es aus Eitelkeit nach sich selbst benannt: „Le coq“ heißt auf Französisch „Hahn“ und im Lateinischen „gallus“.

Es zu entdecken und zu isolieren war gar nicht so einfach. Gallium kommt nämlich nur in Kombination mit anderen Erzen vor. Allen voran mit Bauxit, dem Erz aus dem Aluminium gewonnen wird. Bevor man die Eigenschaften von Gallium für moderne Techniken einzusetzen wusste, hat man es gar nicht gewonnen. Es wurde einfach mit dem tauben Gestein auf die Abraumhalde geworfen.

Über die jährlich abgebauten Mengen an Gallium gibt es die unterschiedlichsten Zahlen: von 95 bis über 400 Tonnen pro Jahr – die Produzenten halten sich mit den Angaben bedeckt. Über Recyclingquoten gibt es überhaupt keine Daten und unseres Wissens auch noch keine ökonomisch vertretbare Möglichkeit. Dabei zählt Gallium zu den lebensnotwendigsten Rohstoffen unserer hochtechnisierten Welt, und alle großen Nationen arbeiten an Plänen, wie Gallium zu „schützen“ sei.

Das silbrig grau-weiße Metall, das an Quecksilber erinnert, schmilzt bei knapp unter 30 Grad Celsius und hat einen Siedepunkt von zirka 2400 Grad. Damit hat es einen sehr großen Bereich, in dem es flüssig ist, und dieser Zustand macht es vielseitig einsetzbar. Gallium und seine Legierungen finden sich in vielen Dingen des täglichen Lebens: in den Displays von Handys und Tablets, in Photovoltaik-Anlagen, in der Dentaltechnik und vor allem in Halbleitern, die in jedem Computer eingebaut sind.

Gallium teilt das Schicksal von vielen Sondermetallen: Wir sind zwar von ihnen umgeben, aber wir kennen sie oft gar nicht. Wir leben mit ihnen und merken es nicht.

2003 wurden 95% des eingesetzten Galliums in Solarzellen und LEDs verbaut. Derzeit kostet ein Kilogramm Gallium um USD 500 (Stand Februar 2017). In Kleinmengen kann man es sogar bei Amazon bestellen.