Kreuzfahrt – viele Tonnen Metall in Luxus eingepackt

26.04.2013

“Willkommen an Bord“ – der Kapitän empfängt heute seine in Hamburg neu zugestiegenen Passagiere höchst persönlich. Fesch sieht er aus in seiner schmucken Uniform. Selbst die Uniform ist ohne Metall nicht denkbar. Die schweren vergoldeten Messingknöpfe machen aus einem einfachen blauen Sakko ein gediegenes Kleidungstück.

 Die Urlauber stehen nun im Inneren des Luxusliners. So ein modernes Kreuzfahrtschiff besteht aus bis zu 15 Millionen Einzelteilen, die Knöpfe am Kapitänsjacket nicht eingerechnet.

 Viele dieser Teile sind aus Metall.

Heute ist der Schiffsbau – und das gilt natürlich auch für Kreuzfahrtschiffe – ohne Metall nicht denkbar. Kernstück jeden Schiffes ist der Rumpf. Dieser muss im Ernstfall der Wucht von  über zehn Meter hohen Wellen Stand halten. Aus riesigen drei Zentimeter dicken Stahlplatten werden Teile ausgeschnitten und zu Sektionen zusammengefügt. Mehrere Sektionen ergeben einen Block. Bei der Queen Mary 2 wiegt so ein Block um die 600 Tonnen, was dem ungefähren Gewicht von 500 Mittelklasse-Autos entspricht. Der Rumpf der Queen Mary 2 besteht aus 94 solcher Blöcke! Etwa 900 Kilometer Schweißnähte haben die Werftarbeiter angebracht.

 Nun versuchen die Passagiere ihre Kabine zu finden – gar nicht so leicht bei über 1300 Kabinen verteilt auf 12 Decks. Und wieder werden sie von Metallen begleitet. Sie gehen durch innenliegende Gänge, dezent ausgeleuchtet. 80.000 Beleuchtungskörper hat die Queen Mary 2. Hinter der Verkleidung laufen die elektrischen Kabel um Telefone, Lampen, Radios, Bordfunk,  Lautsprecher, Brandmelder, Klimaanlagen oder auch  Mixer in der Bordküche mit Strom zu versorgen. Von Wien bis Madrid – also an die 2500 Kilometer – würden die Kabel aneinandergelegt reichen.

 Die Gäste halten sich an dem Handlauf aus Nirosta an, steigen über Treppen mit Kantenschutz aus Aluminium, bewundern das Relief aus Bronze, stolpern fast über ein verchromtes Tischbein, bewundern die Zierleisten aus Messing und spiegeln sich in der blank polierten Edelstahl-Verkleidung der Bar.

 Endlich in der Kabine angekommen, sofort die Balkontüre aufgemacht:  die Beschläge sind aus Aluminium. Das Balkongeländer besteht aus einem Handlauf aus Holz und Plexiglas-Paneelen – und die sind an Stehern aus Nirosta befestigt. Nirosta ist eine Legierung aus Eisen und Nickel. Das Nickel verhindert das Rosten – ein nicht zu übersehender Vorteil wenn die Teile mit Salzwasser in Berührung kommen.

 Zeit für einen Besuch am Pool. Springen verboten, dafür gibt es ja die Leiter aus Nirosta. Das Wasser hat genau die richtige Temperatur. Insgesamt wurden am Schiff über 500 Kilometer Rohrleitungen aus Eisen verlegt. So kommt das Wasser in die Kabine, in den Pool und auch ins Restaurant. Nach der kurzen Erfrischung folgt das Nichtstun auf der Liege. Ein mit weißer Farbe gestrichenes Eisengestell, das mit einem Netz bespannt ist.

 Technisch Interessierte führt der erste Offizier in den Bauch des Schiffes. Vorbei geht es an den beiden Ankern aus Stahl. Jeder wiegt 23 Tonnen. Die klassische Schiffsschraube aus Bronze ist ersetzt worden durch Vierblatt-Festpropeller aus Edelstahl. Weder Bronze noch Edelstahl kann das salzhaltige Meerwasser etwas anhaben. Die Propeller werden von riesigen Elektromotoren aus Eisen und Kupfer angetrieben. Spätestens jetzt ist den neu zugestiegenen Passagieren klar geworden, dass der Luxus an Bord ohne Metalle wohl nicht möglich wäre.

 Vor dem Abendessen sitzen sie  im Liegestuhl, genießen den Sonnenuntergang inklusive Cocktail und so manch einer wundert sich, warum so viel schweres Metall nicht untergeht.