Metalle als Spiegel der Konjunktur

05.11.2019

Immer früher im Jahr kommt Weihnachten mit Christbaumschmuck, Kerzen, Karten, Weihnachtsmännern, Engeln oder auch Tischdekoration in den Handel. Immer früher wirft so das Fest der Familie, der Ruhe und der Einkehr seine gar nicht ruhigen Schatten voraus.

Auch der Altmetall-Handel bleibt davon nicht verschont. Aber nicht wegen des Weihnachtsfestes sind die Wehen zu spüren: es sind das Jahresende und die weihnachtlichen Betriebsurlaube die in diesem Fall für die langen Schatten im Voraus sorgen – heuer bereits im September.

Bereits seit fast zwei Monaten hören wir von allen Seiten: die Werke kaufen und übernehmen Schrotte nur mehr äußerst vorsichtig. Grund für den gebremsten Hunger nach Sekundärrohstoffen sind abgeschwächte – aber nicht schlechte – Konjunkturdaten, rückläufige Nachfrage bei Industrieprodukten und der Wunsch zum Jahreswechsel ein niedriges Lager zu haben.

Gekauft werden noch – und das ist ein genereller Trend – sehr saubere Schrotte, praktisch ohne jede Fremdanhaftung. Messing ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Da normale, sogenannte „Installateurmessing“ mit maximal zehn Prozent Fremdanhaftungen wird von den Einschmelzbetrieben, speziell in China gar nicht mehr angenommen. Bis jetzt wurde es nach Indien und Pakistan zur Sortierung und Bearbeitung geschickt. Und obwohl in diesen hinduistischen und islamischen Ländern Weihnachten keine Bedeutung hat, haben auch sie einen Import-Stopp für Messing ausgerufen. Es liegt einfach zu viel auf Lager.

In den Börsennotierungen schlägt sich diese Entwicklung noch nicht nieder. Ein Indiz dafür, dass wieder vermehrt professionelle Investoren in Rohstoffe gehen. Das kann als positives Indiz gewertet werden: der Wert von Rohstoffen und speziell von Metallen wurde erkannt, vor allem als langfristig sichere Investition. Man kann es aber auch negativ lesen: Investoren rechnen mit einer Wirtschaftskrise und gehen vermehrt in reale Werte, als in Rohstoffe und da vermehrt in Metalle.