Quecksilber – Industriemetall, Heilmittel und Gift

12.08.2011

All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.” Dieser Ausspruch Paracelsus’ trifft wie kein anderer auf Quecksilber zu: als Amalgamfüllung verhindert es, dass sich Karies weiter ausbreitet, in Quecksilberdampflampen verstärkt es auf besonders energiesparende Weise die Leuchtkraft des Lichts, in der Knopfzelle betrieb es die Uhr und im Fieberthermometer hat es jahrzehntelang nicht nur dem Arzt sondern auch in allen Krankenzimmern wertvolle Dienste geleistet.

Selbst in der modernen Technik kann nicht auf Quecksilber verzichtet werden: in Vakuumpumpen und Hochdruckventilen dient Quecksilber der Abdichtung und verhindert so das Eindringen von Luft.

Quecksilber leitet sich vom althochdeutschen Wort kwek (lebendig) und silabar (silber) ab und deutet damit schon eine hervorstechende Eigenschaft des Metalls an: das einzige flüssige Metall springt, rollt und kugelt umher und macht es einem schier unmöglich es einzufangen.
Das zweite markante Merkmal von Hg (Hydrargyrum) ist seine Leidenschaft, Verbindungen mit anderen Metallen einzugehen, sogenannte Amalgame zu bilden. Das macht sich der Zahnarzt zunutze. Die Amalgamplombe beim Zahnart funktioniert nach diesem Prinzip: Silber, Quecksilber, Zinn und Kupfer werden vom Arzt zusammengemischt zu einer plastischen, leicht verformbaren Masse, die im Mund schnell aushärtet. Daher soll man nach einer Zahnfüllung einige Zeit nichts essen.

Auch Spiegel wurden früher mit Hilfe von Quecksilber hergestellt. Ein Amalgam von 70% Zinn und 30% Quecksilber wurde auf eine Glasplatte aufgetragen. Durch Erhitzen verdampfte das Quecksilber und das Zinn blieb auf dem Glas haften.
Bei der Goldgewinnung wurde das selbe Prinzip angewandt. Das Quecksilber verbindet sich mit dem Edelmetall und löst sich aus dem fein gemahlenen Gestein. Beim Erhitzen verdampft das Quecksilber und entweicht in die Atmosphäre. Diese Methode ist natürlich verboten, wird aber in machen Teilen Südamerikas und Afrikas noch immer illegal praktiziert.

Quecksilber kommt in geringen Mengen praktisch überall in der Welt vor. Das größte Vorkommen an Quecksilbererz, dem sogenannten Zinnober, gibt es in der Nähe von Almaden in Spanien. Schon die Mauren kannten das Quecksilber und haben gemauerte Wannen damit gefüllt, um dann auf dem Quecksilber wie auf einer Art Wasserbett zu ruhen. Dies ist möglich, weil das Hydrargyrum die dichteste bekannte Flüssigkeit ist. Würde man eine Weinbouteille damit befüllen, würde diese über 10 kg wiegen.
Quecksilberchlorid (Kalomel) wurde zur Behandlung von Syphilis eingesetzt. Diese Quecksilberverbindung ist schädlich für den Menschen. Mag sein, dass manch Kranker dadurch geheilt wurde, mit Sicherheit starben aber viele an einer Quecksilbervergiftung. Es wird heute für möglich gehalten, dass Mozart auf diese Art und Weise zu Tode gekommen ist. In unseren Breiten kommen Quecksilbervergiftung so gut wie nicht mehr vor.
Da vor allem Quecksilberverbindungen für Mensch und Tier gesundheitsschädlich sein können, ist in der EU die Verwendung von Quecksilber mit einigen Ausnahmen verboten. Andererseits werden durch das Glühlampenverbot Millionen von quecksilberhältigen Energiesparlampen in Umlauf gebracht. 
Auch in Österreich fällt es schon seit Jahren unter das Chemikaliengesetz, wird als Gift gehandelt und somit auch streng kontrolliert.

Es ist spannend zu beobachten, wie im Laufe der Geschichte dieser Exot unter den Metallen sich vom Heilmittel zum Gift wandelte und auch heute noch für manch technische Apparaturen und in der Industrie unverzichtbar ist.