Seltene Erden – weder Erden, noch selten

31.10.2012

Die Sonne scheint. Liegestuhl, Zeitung und Lesebrille. Wie gut, dass die fototropen Gläser automatisch nachdunkeln und so die Sonnenbrille ersetzen. Möglich macht es das  Seltenerdmetall Europium, das dem Glas beigemengt wird.

Es ist Abend. Beine hoch lagern, Fernseher einschalten. Noch ein bisschen entspannen. Schauen was in der Welt so passiert. Natürlich in Farbe. Die rote, grüne und blaue Farbe kommt aber nur mit Hilfe von Praseodym auf den Bildschirm.

Noch schnell etwas besorgen. Rein ins Auto, Sitz verstellen und los geht’s. Bis zu 24 Stück winziger Elektromotoren steuern einen elektrischen  Autositz. Und in jedem ist ein kleiner Dauermagnet eingebaut. Kein Dauermagnet ohne Neodym.

Der Nachbar zeigt ganz stolz sein neues Zahnimplantat: es ist gar nicht vom echten Zahn daneben zu unterscheiden. Dank Samarium leuchtet der Ersatz mit gleicher natürlicher Fluoreszenz.

Wie kleine unsichtbare Heinzelmännchen haben sich die Seltenen Erden in unser Leben geschlichen. Nichts geht mehr ohne sie : Smartphones, Flatscreens, Windkraft,   Leuchtstoffröhren, Keramikfarben, Glasfarben, Solarzellen, Kameralinsen, Katalysatoren, Wärmepumpen, Tonköpfe, Strahlenschutzkeramik, Flugzeugmotoren, Lasertechnik,  usw. Überall mischen sie mit. In so geringen Mengen, dass man sie „Gewürzmetalle“ nennt oder auch von Beimengungen in „homöopathischer Dosis“ spricht.

Und das ist auch das große Problem beim Recyceln von Seltenerdmetallen. Wie kann man so kleine Mengen rückgewinnen? Momentan noch gar nicht. Man muss sich das so vorstellen, als wollte man das Salz aus dem Gurkensalat rückgewinnen. Im Klartext heißt das, dass zum Beispiel jedes Gramm Ytterbium, das in einen Spezialmagneten verbaut wurde, für immer verloren ist.

Hier sollte man mit dem Mythos der Seltenen Erden aufräumen: sie sind nicht selten. Allerdings sind die Mineralien, in denen sie vorkommen selten. Gold, zum Beispiel, kommt in der Erdkruste um ein Vielfaches seltener vor als Neodym. Gold kommt zwar seltener, aber dafür konzentrierter vor. Das erst macht den Abbau  wirtschaftlich.

Seltenerdmetalle werden nicht gesondert abgebaut, das wäre viel zu teuer. Sie kommen aber auch nicht getrennt vor, sondern immer als ein so genanntes Kuppelprodukt zu einem häufig vorkommendem Metall. So findet man Yttrium als Nebenprodukt bei der Zinngewinnung.

Über 90% aller Seltenerdmetalle werden derzeit in China abgebaut. Lagerstätten gibt es praktisch auf jedem Kontinent. Der Abbau ist aber sehr teuer und belastet die Umwelt.

Seltenerdmetalle wurden zum ersten Mal im 19. Jahrhundert entdeckt. Das war möglich, weil sich Bergbautechniken und die Aufbereitung von Erzen verbessert hatten. Man gab ihnen schillernde Namen wie zum Beispiel Dysprosium, was übersetzt so viel wie „unzugänglich“ heißt. Ein Hinweis darauf, wie schwierig diese Seltenen Metalle zu gewinnen sind.

Ihren Boom erleben sie zur Zeit durch ihren Einsatz in fast allen elektronischen Geräten.

Statt Seltene Erden werden auch die Begriffe Seltenerdmetalle, Seltenerdelemente, Seltene Metalle oder Seltene Erdmetalle verwendet. Die korrekte Bezeichnung ist „Metalle der Seltenen Erden“. Erden ist der alte Name für Oxide.

Hier noch eine Auflistung aller Seltenerdmetalle mit ihren gleichermaßen klangvollen wie schwierigen Namen:

Scandium  (Sc), Yttrium (Y), Lanthan (La), Cer (Ce), Praseodym (Pr), Neodym (Nd), Promethium (Pm), Samarium (Sm), Europium (Eu), Gadolinium (Gd), Terbium (Tb), Dysprosium (Dy), Holium (Ho), Erbium (Er), Thulium (Tm), Ytterbium (Yb), Lutetium (Lu)

Weiterführende Links:
www.selteneerden.de