Stahlhart kurzsichtig

30.05.2018

„Amerika first“  – um jeden Preis. „Folgenabschätzung“ ist ein Fremdwort. So kennen wir Donald Trump:  laut und kurzsichtig. Das gilt auch für den angedrohten 25%igen Einfuhrzoll auf Stahl.

Im April kostete die Stahlqualität „hot rolled steel“ US$ 255 pro Tonne, der historische Durchschnittspreis beträgt US$ 117 pro Tonne. Trotz hoher Marktpreise gelingt es den amerikanischen Stahlwerken nicht am Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein. Sie benötigen daher den Protektionismus ihres Präsidenten.

Der Grund dafür sind überaltete Anlagen, richtige Energiefresser. Energie  – allen voran Erdöl – ist zur Zeit wieder teuer. Damit kämpfen alle Stahlwerke, moderne Werke brauchen davon allerdings viel weniger. Kurzsichtig ist, wenn man mit Einfuhrzöllen strukturelle Probleme lösen will.

Wie geht es nun weiter?

 

Die USA denken darüber nach, Ausnahmen von der Zollpflicht gegen Vereinbarung von Quoten zu gewähren. Reduzieren die Exporteure „freiwillig“ die Mengen – man spricht von zirka 30 % – dann können sie damit die Strafzölle umgehen.

 

Die Konjunktur ist gut und man rechnet damit, dass die Quoten schneller ausgenützt werden als die Laufzeit der Lieferverträge dauert. Dann muss auch Stahl mit 25%igem Zoll importiert werden. Sehr wahrscheinlich wird der „verzollte“ Stahl noch immer billiger sein, als der im eigenen Land produzierte.

Große Stahlabnehmer, Maschinen- und Gerätehersteller wie zum Beispiel Caterpillar, Ford oder Harley Davidson, prüfen bereits den Preisvorteil, wenn sie Stahlbauteile nicht mehr in Amerika fertigen lassen sondern sie direkt aus China importieren. Und damit würde China und nicht die USA von den Einfuhrzöllen profitieren.

Die Ungewissheit auf dem Stahlmarkt könnte auch bewirken, dass in Singapur und in China der bisher kaum genützte Börsenhandel mit Stahlerzen jäh an Bedeutung gewinnt. So könnte man sich gegen Preisschwankungen und Lieferengpässe absichern. Stahl kann – wie alle Rohstoffe – extreme Preisschwankungen aufweisen. Es bleibt spannend.