Titan – ein Riese als Leichtgewicht

13.05.2016

Poch, poch, poch. Das alte Herz schlägt wieder regelmäßig, dank Titan. Das war nicht immer so. Jetzt aber, mit dem Herzschrittmacher ist die Gefahr von Herzrhythmusstörungen gebannt. Moderne Herzschrittmacher sind kleiner als eine 2-Euro Münze und wiegen nur mehr knapp 30 Gramm.

Titan macht’s möglich. Das grausilbrig glänzende Metall besticht durch hohe Festigkeit bei geringem Gewicht. Und noch eine Eigenschaft macht Titan für die Medizintechnik unverzichtbar: Es wird vom Körper nicht abgestoßen und löst keine Allergie aus.

Deswegen werden künstliche Gelenke und Nägel zur Befestigung von gebrochenen Knochen oft aus Titan gefertigt – leicht und gut verträglich. Die technischen Eigenschaften definieren den Einsatzbereich eines jeden Metalls: Niemand würde auf die Idee kommen, ein Hüftgelenk aus Blei zu fertigen.

Überall dort, wo Gewicht eine Rolle spielt, findet Titan Anwendung. Es bringt eine Gewichtsreduktion von 40 Prozent gegenüber Stahl, der aber billiger und einfacher zu verarbeiten ist. Unverzichtbar ist Titan im Flugzeugbau. In einem Airbus 350 sind schon jetzt 18 Tonnen Titan verbaut. Tendenz steigend. Noch bemerkenswerter ist allerdings, dass den 18 Tonnen verbauter Komponenten über 1720 Tonnen Titanabfälle in Form von Spänen gegenüberstehen. Nur ein Prozent des eingesetzten Titans findet sich letztlich im Flugzeug wieder.

Die Späne aus der Fertigung sind stark verunreinigt und können nicht mehr zu neuem Titan eingeschmolzen werden. Sie finden daher nur mehr als Legierungszusatz bei der Stahlproduktion oder zur Farbherstellung Verwendung. So verlieren sie natürlich stark an Wert. Für verunreinigte Späne werden nur mehr fünf Prozent des Preises von Neuware vergütet.

Ausgangsbasis für die Erzeugung von Titan ist das Mineral Imenit, das 1791 erstmals in England entdeckt wurde. Aus Imenit wird aber auch seit den 1920iger Jahren das sogenannte „Titanweiß“ erzeugt. Es besitzt große Deckkraft, ist hitzebeständig und ungiftig. Das Pigment findet in der Kunst häufig seinen Einsatz.

Titanweiß wurde einer Kunstfälscher-Bande zum Verhängnis. 2006 tauchte Heinrich Campendonks verschollenes Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“ von 1914 plötzlich wieder am Kunstmarkt auf. Es wurde für 2,4 Millionen Euro versteigert. Zu blöd, dass bei einer genauen Analyse Titanweiß im Bild gefunden wurde. Das aber gab es 1914 noch nicht.

Titan korrodiert an der Oberfläche und erzeugt so seine eigene Schutzschicht. Es gibt dem Werkstück dadurch seine schlichte, zurückhaltende monochrome Eleganz. Gut zu sehen bei Fahrradrahmen aus Titan. Aber auch hier liegt der wesentliche Produktvorteil im Gewicht, was sich allerdings im Preis niederschlägt. Titan ist teuer und dazu kommt eine sehr aufwendige Verarbeitung. Der Schmelzpunkt liegt bei 1600°C und Schweißarbeiten müssen unter Schutzgas durchgeführt werden. Dafür ist solch ein Fahrrad eine Anschaffung fürs Leben oder wie es ein Mountainbike Magazin formulierte: Titan – ein Werkstoff für die Ewigkeit.

Und es stimmt: Was im Alter an Körpergewicht dazukommt, kann man durch ein leichteres Bike aus Titan wieder ausgleichen.

Bildquellen:
Fahrrad: Hilite-Bikes
Herzschrittmacher: Medtronic GmbH





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