Wird die Stahlindustrie das stemmen?

18.11.2013

Die europäischen Stahlwerke fahren momentan nur mit 70% ihrer Kapazität. Wo eine schwache Konjunktur, da wenig Aufträge für die Bauwirtschaft. Wo wenige Aufträge für die Bauwirtschaft, da kaum Nachfrage nach Baustahl. Wo geringe Nachfrage nach Baustahl, da geringe Nachfrage nach Stahlschrotten.

In den fetten Jahren davor haben die Shredderbetriebe ihre Kapazitäten massiv erweitert. Nun sind sie nur zur Hälfte ausgelastet und versuchen über höhere Ankaufspreise eine bessere Auslastung zu erreichen. Große Schrotthändler in der EU sind froh, wenn sie in den letzten Jahren eine schwarze Null geschrieben haben.

Aber nicht nur in Europa wird weniger gebaut. China und die arabischen Emirate bauen nicht mehr so hemmungslos wie noch vor ein paar Jahren. Die vom arabischen Frühling erfassten Länder sind mit sich selbst beschäftigt, die Wirtschaft liegt danieder und so brauchen auch sie nur mehr einen Bruchteil des Stahls von früher.

Fallende Nachfrage ist die eine Front an der die Stahlwerke kämpfen. Nicht genug damit: Billigimporte aus Ländern mit günstigen Energiekosten, tiefen Löhnen und niedrigen Umweltstandards eröffnen eine zweite Front. Die Stahlwerke kommen noch mehr unter Druck und geben diesen in Form von niedrigeren Einkaufspreisen für Schrotte weiter.

Die US-amerikanischen Energiekosten sind deutlich niedriger als die europäischen. Der Schiefergas-Boom ließ die Preise in den USA sinken. Europa zahlt drei Mal so viel für Gas als die USA. Die Energie bei der Stahlproduktion macht  etwa ein Drittel  der Kosten aus, daher ist der Nachteil für europäische Stahlkocher beträchtlich. Dagegen lässt sich – langfristig – nur durch Einführung energieeffizienterer Produktionsverfahren etwas unternehmen.

Kurzfristig ist eine Verbesserung der Marktsituation nur durch Abbau von Kapazitäten zu erreichen. Doch dazu ist  (noch) niemand bereit.