Wolfram – mehr als nur ein Glühfaden

06.08.2012

Über hundert Jahre hat sie uns begleitet, die dünne Wolfram Glühwendel in der Glühbirne oder Glühfadenlampe, wie sie früher hieß. Weißglühend hat sie Stunden, Tage und sogar Jahre durchgehalten, ist nicht ausgegangen. Wie sollte sie auch: der Schmelzpunkt für Wolfram liegt bei 3422 °C. Seit 1.9.2009 dürfen in der EU nur mehr Energiesparlampen verwendet werden. Es hat sich ausgeglüht. Nicht ganz: Wolframelektroden findet man nach wie vor in den Gasentladungslampen (Leuchtstoffröhren) oder auch in den Xenon-Lampen im Auto.

Wolfram ist aber weiterhin unverzichtbar. Es ist ungefähr so schwer wie Gold. Aufgrund der hohen Dichte wird es zur Abschirmung von radioaktiver Strahlung und auch als Ausgleichsgewicht verwendet. Speziell dort wo es wenig Platz gibt: in elektronischen Bauteilen, in der Formel 1, in Segelbooten als Kielbombe. Früher hat man fallweise auch die Hammerköpfe beim Hammerwurf aus Wolfram gefertigt. Dadurch kam es zu einer Reduktion des Luftwiderstandes und zu größeren Weiten.

Ausgangsmineral ist das Wolframerz, das Scheelit, benannt nach dem deutsch-schwedischen  Chemiker Scheele, der bereits 1781 Wolframsäure aus dem Mineral isolierte. Das Mineral war schon vorher unter den Namen  Schwerstein oder Tungstein bekannt. Im Englischen heißt Wolfram bis heute Tungsten.

Mitten in den hohen Tauern liegt Mittersill. Dort findet sich das größte Scheelit-Vorkommen Europas. Entdeckt wurde es erst 1968. Überall in den hohen Tauern findet man das wolframhaltige Erz. Mit bloßem Auge erkennt man es nicht. Unter der UV-Lampe leuchtet es aber blauweiß. Mit dieser Methode begann auch vor fast fünfzig Jahren der Abbau in Mittersill. Heute – mit den gestiegenen Rohstoffpreisen – ist das Bergwerk wieder profitabel. Zwischendurch musste es aber geschlossen, respektive als Schaubergwerk geführt werden. Und heute ist man froh, dass man den Bergbau in Mittersill nicht komplett stillgelegt hat. Wolfram ist eines der wenigen Metalle, bei denen man in Europa nicht vom Import aus mehr oder weniger politisch stabilen oder willigen Ländern abhängig ist.

Unweit von Mittersill beginnt der Felbertauerntunnel. Auch dieser ist untrennbar mit Wolfram verbunden. Es braucht besonders widerstandsfähige Bohrer um so einen Tunnel zu graben. Wolfram wird als Legierungsmetall den  Werkzeugstählen beigemengt. Als Wolframkarbid erhöht es die Härte der Bohrer. Den so gehärteten Stahl nennt man umgangssprachlich auch Hartmetall. Die Firma Krupp hat dem Hartmetall den Markennamen Widia gegeben: hart wie Diamant.

Aus demselben Grund verwendet man im Bereich des Militärs ebenfalls gehärteten Stahl: als panzerbrechende Munition. Der Stahl aus dem Panzer gemacht werden ist ein besonders widerstandsfähiger, muss er ja einiges aushalten. Die Antwort ist eine Panzergranate mit einem Kern aus Wolframkarbid.

Wer würde glauben, dass Wolfram selbst im Sport und in der Musik unverzichtbar ist?
Vielleicht verwendet Roger Federer einen Tennisschläger, wo an exakt berechneten Stellen im Schlägerrahmen Wolframfasern eingearbeitet werden? Das erhöht die Spielpräzision.

Und wer weiß: vielleicht sind die Saiten der Geige von Andre Rieu mit Wolfram umsponnen? Das vermindert die Tonhöhe.

Übrigens: der Name Wolfram – sowohl als Vor- und als Nachname gebräuchlich – hat nichts mit dem Metall zu tun. Der leitet sich von Wolf und hraban (Rabe) ab.

Weiterführende Links:

www.wolfram.at
www.osram.de